Wohneigentum: Zu hohe Hürden für Niedrigverdiener

Sachwerte von Martin Thaler

Der Immobilienmarkt boomt - doch an der Wohneigentumsquote ändert sich laut IW Köln nichts. Insbesondere einkommensschwache Menschen besitzen selten ihre eigenen vier Wände. Dabei könnte die Politik hier Abhilfe schaffen.

Die eigenen vier Wände können sich insbesondere einkommensschwache Menschen kaum leisten.

Die eigenen vier Wände können sich insbesondere einkommensschwache Menschen kaum leisten. Foto: industrieblick - fotolia.de

Der Immobiliensektor boomt: Offene Immobilienfonds nehmen kein weiteres Geld mehr an, die Zinssätze für Hypothekendarlehen haben sich seit 2010 mehr als halbiert und erste Warnungen vor einer drohenden Immobilienblase sind zu hören.  

Doch trotz dieses Immobilienbooms hat sich von 2011 bis 2014 ist die Wohneigentumsquote in Deutschland nicht erhöht. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft Köln. Dabei könne Wohneigentum „heute besser denn je helfen, vor Altersarmut zu schützen – schließlich werfen kapitalgedeckte Rentenversicherungen immer weniger ab“, wie das IW Köln schreibt.  

Beim Wohneigentum gibt es jedoch große Unterschiede hinsichtlich Alter und Einkommen zu beachten. Laut der IW-Studie, die Daten des Sozio-oekonomischen Panels nutzt, hat die Wohneigentumsquote der 65- bis 74-Jährigen von 2010 bis 2014 von 55,9 auf 58,3 Prozent zugelegt.   Noch deutlicher war der Anstieg der Wohneigentumsquote bei den einkommensreichsten 20 Prozent der Bevölkerung zu beobachten. Hier stieg sie um 3,2 Prozent von 65,9 auf 69,1 Prozent.

Hohe Hürden für einkommensschwache Menschen

Ganz anders die Entwicklung am entgegengesetzten Ende der Einkommensskala: Vom einkommensärmsten Fünftel der Bevölkerung besaßen nur 17,4 Prozent ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung – noch weniger als 2011.Das sei nicht verwunderlich, erläutert IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer: „Viele Banken verlangen 20 Prozent Eigenkapital, wenn sie ein Haus oder eine Wohnung finanzieren sollen. Hinzu kommen Notarkosten und die Grunderwerbssteuer von bis zu 6,5 Prozent, die Käufer zahlen müssen. Das macht es Menschen mit niedrigem Einkommen nahezu unmöglich, zum Eigentümer zu werden.“

Der Staat hätte folglich aber die Möglichkeit, die Eigentumsquote bei Haushalten mit niedrigem Verdienst erhöhen. Hierfür müssten diese Haushalte bei der Grunderwerbssteuer entlastet werden, schlussfolgern die Studienautoren. Zudem könnte die Politik Kredite als Ersatz für Eigenkapital zur Verfügung stellen. Um gleichzeitig Entwicklungen wie in den USA zu verhindern, wo viele Haushalte einst immer höhere Zinsen zahlen mussten, wären dann allerdings lange festgeschriebene Zinssätze nötig sowie Anreize, die Schulden schnell zu tilgen.