Wann ist Honorarvergütung überhaupt zulässig?

Recht & Haftung Top News von Lasse Conradt

Die Abweichung vom grundsätzlich für andere Maklertätigkeiten geltenden „Bestellerprinzip“ ist bei den Versicherungsmaklern insofern nur auf den ersten Blick gegeben und tatsächlich nicht existent. Allerdings muss auch bei einer Zulässigkeit von Honorarvereinbarungen mit Verbrauchern berücksichtigt werden, dass bei provisionspflichtigen Geschäften eine zusätzliche Honorarvereinbarung mit dem Verbraucher, was Dienstleistungen ausschließlich im Zusammenhang mit dem entsprechenden Versicherungsvertrag angeht, unter Umständen als „doppelte Vergütung“ unzulässig sein könnten.

Ein durchaus attraktives – und überdies noch zulässiges – Modell ist auch eine „Servicevereinbarung“, nach der sich der Makler alle Tätigkeiten, die über die bloße Vermittlertätigkeit hinsichtlich eines Versicherungsvertrages hinausgehen, zusätzlich per Honorar vergüten lässt. Dazu können u. a. Tätigkeiten wie das Archivieren und Sortieren von Daten und Unterlagen, die regelmäßige Information zu weiteren anderen Produkten, die Zurverfügungstellung eines „Schadensbegleitservices“ oder die Kooperation mit einer Rechtsanwaltskanzlei zählen.

Dies scheint auch vor dem Hintergrund der immer umfangreicher werdenden Dokumentations- und Archivierungspflichten sowie der zunehmenden Bürokratie durchaus nachvollziehbar und gerechtfertigt. Schließlich dürfte die entsprechende Nebentätigkeit des Versicherungsmaklers selbstverständlich auch keine unerlaubte Rechtsberatung darstellen und insofern die Unzulässigkeit eines „Honorars“ begründen.

RDG steht Honorarberatung nicht entgegen

Dies dürfte allerdings in der Mehrzahl der Fälle auch nicht weiter relevant sein, da der Makler schon naturgemäß seinen Kunden im Schadensfall gegenüber dem Versicherungsunternehmen betreut – es insofern eine Unterstützungsleistung darstellt, die dem Makler durch den § 5 Abs. 1 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) gestattet ist. Sobald der Makler allerdings über diese Unterstützungsleistung hinausgehende Tätigkeiten anbietet, muss er allerdings zwingend eine Rechtsanwaltskanzlei einschalten.

Es steht aber somit fest, dass auch das Rechtsdienstleistungsgesetz einer Honorarberatung des Versicherungsmaklers nicht entgegensteht. Unseres Erachtens sind solche Honorarvereinbarungen mit Verbrauchern zulässig. Dies dürfte in der Zukunft an Relevanz erheblich zunehmen, da der Markt eine entsprechende Entwicklung nimmt und zusätzlichen Einnahmequellen für Versicherungsmakler immer größere Bedeutung zukommen.

Auch ist nicht zu unterschätzen, dass es bereits Beispiele im europäischen Ausland gibt, in denen vollständig vom Provisionsmodell Abstand genommen worden ist und die Versicherungsmakler ausschließlich auf Honorarbasis tätig werden. Ob dies allerdings ein gangbarer Weg für den deutschen Markt ist, sei dahingestellt – dürfte aber zumindest in die Erwägungen hinsichtlich einer Zulässigkeit von Honorarvereinbarungen miteinfließen.

Grundsätzlich gilt: Die Transparenz für den Verbraucher sollte oberste Priorität genießen, wenn es zur Gestaltung von Honorarvereinbarungen kommt. Ein Muster finden Sie auf www.maklervertrag.info.

Seite 1: Honorardebatte gewinnt an Fahrt
Seite 2: Vorsicht vor doppelter Vergütung

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare