Thorulf Müller: „PKV muss Beratungspflicht nachkommen“

Berater Top News von Michael Fiedler

„Älter, ärmer und sozial – das scheint nicht zur PKV zu passen“ – hieß es gestern bei Frontal 21. Versicherer würden sich um ihre Beratungspflichten drücken, so Versicherungsberater Thorulf Müller im Beitrag.

Thorulf Müller

„Die Versicherer müssen ihren Pflichten nachkommen und Verantwortung übernehmen“, so Thorulf Müller. Screenshot Frontal 21 / ZDF

Als 2007 die Krankenversicherungspflicht eingeführt wurde, rief die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Menschen ohne Versicherungsschutz zu: „Willkommen in der Solidarität“. Wie diese Solidarität neun Jahre später gelebt wird, thematisierte Frontal 21 am Dienstagabend.

Gelebte Solidarität?

In einem Fallbeispiel wurde gezeigt, welche Schwierigkeiten ein Versicherter hatte, in den Basistarif zu kommen. Trotz ausgefüllten 8-seitigem Fragebogen wurde der Wechsel nicht vollzogen.
Der Versicherer, die HanseMerkur, verrechnete zu zahlende Erstattungen von Arztrechnungen mit den aufgelaufenen Beitragsschulden. Das geht zwar in Normal-Tarifen der PKV, nicht aber im Basistarif.
Auf die Frage, warum nicht auf fehlende Angaben hingewiesen wurde, antwortete der Versicherer: „Aus unserer Sicht gibt es keine Verpflichtung im Rahmen einer Beratungspflicht seitens des Versicherers, den Kunden in einem zeitlichen Abstand an die Erledigung zu erinnern.“

Versicherer müssen Pflichten nachkommen

Versicherungsberater Thorulf Müller sieht das anders: „Es steht eindeutig im VVG, dass der Versicherer eine Beratungspflicht hat.“ Wenn Beiträge nicht gezahlt werden können oder der Versicherungsnehmer hilfebedürftig wird, liegt aus Sicht von Thorulf Müller eindeutig ein Beratungsanlass vor, dem das Versicherungsunternehmen nachkommen müsse.

Ein Einzelfall? Keineswegs, meint Prof. Gerhard Trabert, vom Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“. Bei dem Verein, der eine Praxis unterhält, würden sich immer mehr PKV-Patienten melden. Aus Angst, die Rechnungen nicht zahlen zu können, gehen viele nicht mehr zum Arzt und verschlimmern so ihre gesundheitliche Situation.

Tarifwechsel-Ablehnungen mit System?

Sven Jürgens, Fachanwalt für Versicherungsrecht, meint, dass die Versicherer mit der Ablehnung von Wechseln in den Basistarif Tatsachen schaffen wollen und darauf spekulieren, dass sich nicht zu viele Betroffene dagegen wehren.
Der PKV-Verband weist diese Vorwürfe zurück. Die gesetzlichen Vorgaben würden eingehalten und die genaue Prüfung der Verträge sei aufsichtsrechtlich vorgegeben und im Interesse der Versichertengemeinschaft.

Gerd Güssler von KVpro kommt im Beitrag ebenfalls zu Wort. Demografische Entwicklung und der Niedrigzins setzten die PKVen unter Druck. Und auch die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben kostet Geld und bringt neue Aufgaben für die Privaten Krankenversicherer mit sich.

PKV kein Auslaufmodell

Hilde Mattheis, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, leitet aus den gestiegenen Zahlen im Basis-, und Notlagentarif einen gestiegenen Reformbedarf ab. „Alle zahlen ein und alle Einkommen werden bebeitragt“, skizziert sie die Grundlage einer möglichen neuen Gesundheitsreform.

Ist die PKV ein Auslaufmodell? Nein, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Es gäbe immer wieder Weiterentwicklungen im System. Aber das Zwei-Säulen-Modell sieht er nicht in Frage gestellt.