PKV: Kartellamt gibt Freigabe für LM+

Versicherungen von Michael Fiedler

Sinkende Kosten, stabile Beiträge – das versprechen sich Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal von einer Kooperation im Leistungsmanagement. Wie das Bundeskartellamt dazu steht und für welche Krankheitsbilder das Projekt (vorerst) geplant ist.

PKV-Anbieter kooperieren

Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal Iduna kooperieren im Leistungsmanagement. Vorerst im Bereich der psychischen Erkrankungen.

Im März berichtete procontra über die geplante Kooperation von Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal Iduna.
Damals hieß es noch von Seiten der Wettbewerbshüter beim Bundeskartellamt, dass die Prüfungsfrist noch nicht begonnen habe, weil bei der Anmeldung nicht alle notwendigen Informationen vorlagen.
Das hat sich inzwischen geändert: Das Bundeskartellamt hat die fusionskontrollrechtliche Freigabe erteilt.
Damit können die genannten Versicherer ihre Interessen im Leistungsbereich bündeln. Name des Gemeinschaftsunternehmens: „LM+ -Leistungsmanagement GmbH“.
LM+ soll Netzwerke mit Leistungserbringern, Pharmaunternehmen, Apotheken und weiteren Dienstleistern aufbauen und Verhandlungen für die beteiligten PKV-Unternehmen führen. Auch die Kooperation der unterschiedlichen Leistungserbringer untereinander soll gefördert werden.

Patienten werden gesteuert

Das Pilotprojekt startet im Bereich der psychischen Erkrankungen. So soll beispielsweise die Auftragsvergabe an Gutachter gebündelt werden. Auch für den Abschluss von Rabattverträgen mit Pharmaherstellern erhoffen sich die Beteiligten positive Effekte. Im Krankheitsfall werden die Versicherten über LM+ zu jenen Leistungserbringern gesteuert, mit denen Vereinbarungen über die Behandlungskonditionen bestehen.
Laut Bundeskartellamt soll im Rahmen des Projekts auch erprobt werden, wie Patienten in das Netzwerk hineingesteuert werden können, und wie effektiv das System ist. Perspektivisch soll der Tätigkeitsbereich von LM+ von den psychischen Erkrankungen auf weitere Erkrankungsbilder ausgedehnt werden.

Wettbewerb wird nicht behindert

Das Bundeskartellamt erwartet im Bereich der psychischen Erkrankungen keine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs. Denn bei der Nachfrage Gutachterleistungen und der Nachfrage nach Arzneimitteln in diesem Bereich würden die Beteiligten nur eine nachrangige Stellung erreichen, so dass den Anbietern hinreichende Ausweichmöglichkeiten verbleiben werden. Keine Bedenken hatte das Bundeskartellamt auch in Bezug auf die geplante Einflussnahme bei Arztwahl für ambulante Behandlungen bzw. Einrichtungen für stationäre Behandlungen im Bereich der psychischen Erkrankungen. Zum einen würden die Ausgaben der Beteiligten für die ambulante bzw. stationäre Behandlung psychischer Erkrankungen nur einen kleinen Teil der Gesamtausgaben aller privaten Krankenversicherungsunternehmen für diese Leistungen ausmachen. Zum anderen würde LM+ nur für die Patienten Wirkung haben, die sich freiwillig in die Programme für psychische Erkrankungen einschreiben und auf die freie Arztwahl verzichten.

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