MiFID II – Das bringt sie für Vermittler

Investmentfonds Top News von Rechtsanwälte Prof. Dr. Bröker & Dr. Machunsky, Göttingen

Für Beratung, Organisiation und Produktüberwachung bringt die MiFID II neue Regeln. Welche das sind, schildern die Rechtsanwälte Prof. Dr. Bröker und Dr. Machunsky.

Was bringt MiFID II? RA Klaus Bröker erklärt es im Gastbeitrag.

Was bringt MiFID II? RA Klaus Bröker (Foto) erklärt es im Gastbeitrag.

MiFID II wird kommen. Unklar ist lediglich, ob bereits zu Anfang 2017 oder erst Anfang 2018. In Vorbereitung der Einführung der mit MiFID II umfassenden Neuregelungen in den Finanzdienstleistungen hat die EU im April 2016 zwei neue Regelwerke auf den Weg gebracht, die zusammen mit MiFID II in Kraft treten sollen und erhebliche Neuregelungen für Finanzanlagenvermittler mit sich bringen. Es handelt sich dabei um eine delegierte Richtlinie vom 07.04.2016 und eine delegierte Richtlinie vom 25.04.2016.

Die nachfolgenden Ausführungen geben einen Vorgeschmack auf die kommenden Regelungen. Danach werden weitere erhebliche Anforderungen auf alle Finanzanlagenvermittler zukommen. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um vier große Bereiche die für Vermittler von direktem Interesse sind: die neue Produktüberwachung, das faktische Provisionsverbot, die erheblichen Anforderungen an die Vertriebsorganisationen und die umfassenden Kundeninformationen.

Die Produktüberwachung

Die Produktüberwachungspflicht (Product Governance) wird ein neuer Bestandteil im Pflichtenkatalog des Finanzanlagenvermittlers. Diese Produktüberwachungspflicht besteht in der Festlegung des Zielmarktes für jedes einzelne Finanzinstrument, der Festlegung einer Vertriebsstrategie sowie der laufenden Überwachung und des laufenden Informationsaustausches zwischen Vertrieb und Emittent.

Danach muss ein Vertrieb grundsätzlich selbst nachvollziehbar und damit schriftlich festlegen, welches der jeweilige Zielmarkt für das konkrete Finanzinstrument, welches er vertreiben wird, ist. Der Vertrieb muss weiterhin sicherstellen, dass das Produkt (das jeweilige Finanzinstrument, also Fondsanteile oder Vermögensanlage) und die Dienstleistung (Vermittlung oder Beratung) mit den Bedürfnissen, Merkmalen und Zielen des Zielmarktes vereinbar sind. Zusätzlich muss die dafür beabsichtigte Vertriebsstrategie dem Zielmarkt entsprechen. Dafür muss der Finanzanlagenvermittler die Bedürfnisse des Kunden ermitteln und eine diesen Bedürfnissen entsprechend geeignete Anlage empfehlen oder vermitteln, die ihrerseits wiederum dem zuvor definierten Zielmarkt entspricht.

Soweit der Produktkonzeptionär (Emittent) den Zielmarkt bestimmt hat, muss der Finanzanlagenvermittler seinerseits sicherstellen, dass er alle diesbezüglichen Informationen vom Konzeptionär erhält. Anschließend hat er den vom Konzeptionär bestimmten Zielmarkt zu überprüfen. Gleiches gilt für die Vertriebsstrategie, sofern der Konzeptionär eine solche bereits entwickelt und vorgegeben hat. Die so definierten Zielmärkte und Vertriebsvorgaben müssen durch Compliance laufend überprüft und erforderlichenfalls aktualisiert werden. Auch hat der Finanzanlagenvermittler sicherzustellen, dass seine Mitarbeiter über die notwendige Sachkenntnis bezogen auf das jeweilige Finanzinstrument, die Dienstleistung, den Zielmarkt und die Vertriebsstrategie haben.

Die konkrete Umsetzung kann man sich in etwa so vorstellen:
Der Konzepteur (Emittent) legt zum Beispiel einen geschlossenen Immobilienfonds (AIF) auf. Als Zielmarkt wird bestimmt:

  • ergänzende Altersvorsorge,
  • Vermögensaufbau,
  • Anleger mit höherer Schulbildung und beruflicher Erfahrung,
  • Anlageerfahrung,
  • monatliches Familiennettoeinkommen ab 5.000,00 €,
  • Grundabsicherung und Liquiditätsreserven vorhanden,
  • bestehendes Anlagevermögen ab 100.000,00 €,
  • Risikotoleranz gegeben.

Danach hat das Produkt beim Vertrieb drei Prüfungsstufen zu durchlaufen:

  1. Das Vertriebsunternehmen prüft diese Zielmarktbestimmung und den Emissionsprospekt auf Plausibilität und stimmt dies mit der Vertriebsphilosophie des Hauses ab (erste Prüfungsstufe).
  2. In der Stufe 2 wird dieses Raster mit dem bestehenden Kundenstamm abgeglichen und eine Strategie zur Akquirierung entsprechender Neukunden (Vertriebsstrategie) entwickelt.
  3. Bei der eigentlichen Anlagevermittlung oder Anlageberatung (dritte Stufe) erfolgt dann die Feinabstimmung und damit die Klärung der Geeignetheit, nämlich ob das Anlageobjekt zu dem konkreten Kunden und dessen Zielen passt.

Über alle Stufen wird die Kommunikation mit dem Konzepteur aufrechterhalten.

Seite 1: Produktüberwachungspflicht und Zielmarkt
Seite 2: Anforderungen an Beratung und Organisation

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