Kleinlein: Senkung schwächt Garantien

Versicherungen von Michael Fiedler

Die Absenkung des Höchstrechnungszinses habe keine Auswirkung auf die Stabilität der Lebensversicherer, sagt Axel Kleinlein (BdV). Nur die Garantien würden zusätzlich geschwächt. Kritik an den Plänen des BMF gab es auch von der Bayerischen.

Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein

Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein. Bild: procontra-online / Matthias Hundt

Die Vorgaben zur Reservebildung belasten Lebensversicherer schwerer als der Garantiezins für Neuverträge, so Axel Kleinlein. Er vertritt die Ansicht, dass die Vorgaben zur Reservebildung überzogen seien. So würde Überschussbeteiligung geschmälert – mit Folgen für die Versicherten: „In den Reserven der Versicherer schlummern etwa 70 Milliarden, die eigentlich der Überschussbeteiligung der Versicherten zugeführt werden sollten.“
Kleinlein wies darauf hin, dass ein Unterschreiten des Höchstrechnungszinses auch heute schon möglich sei: „Gerade bei Tarifen mit neuartigen Garantien stützen sich die Versicherer auch heute schon zuweilen auf Rechnungszinsen weit unterhalb der 1,25 Prozent“, erklärt Kleinlein. Je nach Kostenbelastung kalkulieren Versicherer mit einer Verzinsung des Sparanteils unter dem gesetzlich Möglichen.

Abwarten und Riestern

„Abwarten und Riestern richtig machen“ – so lässt sich das Statement der Bayerischen zur geplanten Senkung des Höchstrechnungszinses auf 0,9 Prozent im Jahr 2017 lesen. Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen, sprach sich dafür aus, den Einführungstermin zu verschieben. Bevor überhastet entschieden werde, sollten die sozialpolitischen Auswirkungen einer solchen Maßnahme angemessen berücksichtigt werden.
Die Riesterrente müsse als zusätzliche Altersvorsorge „attraktiv gehalten werden“. Dafür brauche es ein Gegensteuern der Politik, so Schneidemann. Um die Renditechancen für die Kunden zu erhöhen, sei eine Flexibilisierung erforderlich. Die starre Anforderung des Beitragserhaltes zum Rentenbeginn würde die Riesterrente nur noch für extrem lange Laufzeiten ermöglichen.
Sein Vorschlag: Bei der Beurteilung des Beitragserhaltes soll auch die Rentenbezugsphase zugrunde gelegt werden. Auch Möglichkeiten, den Kunden zwischen Garantieniveau und Renditechancen wählen zu lassen, hält Schneidemann für angebracht.