Indexpolicen werden entzaubert

Versicherungen von Stefan Terliesner

Das neue Produkt der Lebensversicherer verkauft sich offenbar gut. Doch viele Makler und Kunden wissen nicht, worauf sie sich einlassen. Das wird zunehmend erkannt und kritisiert.

Indexpolicen entzaubert?

Indexpolicen entzaubert? Fotolia / JenkoAtaman

„Indexpolicen stehen derzeit hoch im Kurs, sowohl bei Anbietern als auch bei einigen Vermittlern. Auf den ersten Blick haben die neuen Produkte durchaus Charme, denn sie versprechen die Chance auf Kursgewinne an der Börse bei gleichzeitiger Kapitalgarantie – ein Kunststück, das in Zeiten enorm niedriger Zinsen eigentlich kaum zu meistern ist. Der Assekuranz gelingt es trotzdem, allerdings mit einigen Pirouetten, bei denen einem schwindlig werden kann.“ Dies schreibt Fonds Professionell auf seinem Online-Portal. Das Anlageberatermagazin hat sich das neue Produkt genauer angeschaut und kommt zu dem Ergebnis, dass Indexpolicen nur einen sicheren Gewinner kennen: die Anbieter. Das Produkt helfe Lebensversicherern dabei, die nötige Durchschnittsrendite abzusenken, die der Deckungsstock erwirtschaften muss.

Deckel drauf

Auch wenn sich Indexpolicen im Detail stark unterscheiden, die Grundsystematik sei die gleiche: Die Kunden würden sich einmal im Jahr entscheiden, ob sie in den kommenden zwölf Monaten die Überschussbeteiligung erhalten möchten oder dieses Geld lieber an der Börse investieren. Das geschehe über Derivate, „die einen oder mehrere Indizes abbilden“. Dabei zähle in aller Regel nicht die Wertentwicklung über das gesamte Jahr. Stattdessen würden die monatlichen Erträge aufaddiert. Viele Anbieter würden die Monatsentwicklung aber deckeln, ein üblicher Wert für diesen Cap liege bei 3,7 Prozent. Ein positiver Monat fließe also mit höchstens 3,7 Prozent in die Rechnung ein, während ein negativer voll angerechnet werde. Wichtig sei: „Egal, wie die Addition nach zwölf Monaten aussieht: Ein Verlust ist ausgeschlossen – die Beiträge des Kunden sind also garantiert.“ Wie hoch der Cap ist, lege der Versicherer jedes Jahr neu fest, abhängig von seinen Überschüssen und den Konditionen für die Derivate.

Trotz DAX-Plus keine Gutschrift

Um zu ermitteln, welches Ergebnis ein Versicherter von einer solchen Police realistisch erwarten kann, hat Fonds Professionell eine fiktive Indexpolice auf den Dax mit Cap bei 3,7 Prozent simuliert und nachgerechnet. In drei der zehn vergangenen Kalenderjahre habe der Deckel aus einem Dax-Jahresplus ein Minus gemacht. 2015 beispielsweise sei der Dax auf Jahressicht um 9,6 Prozent gestiegen. Die Summe aller Monatsrenditen habe bei 11,7 Prozent gelegen. Weil das Börsenjahr 2015 so volatil gewesen sei, sich sehr gute und sehr schlechte Monate also rasant abwechselten, habe sich der Cap von 3,7 Prozent „verheerend ausgewirkt“. Der Autor schreibt: „Er drückte die Summe der Monatsrenditen am Schluss auf minus 7,7 Prozent. Ein Kunde, der auf Basis der Dax-Jahresentwicklung für seine Indexpolice wohl mit einer Gutschrift gerechnet hätte, wäre im vergangenen Jahr also leer ausgegangen.“

Dass solche Resultate möglich sind, dürfte nicht allen Maklern, die diese Police vermitteln, bewusst sein, vermutet Fonds Professionell wohl zu recht. Ihre Kunden wissen es vermutlich noch weniger. Das Fazit von Fonds Professionell lautet: „Wer Indexpolicen vermittelt, muss viel Zeit in die Beratung investieren, andernfalls sind Enttäuschungen beim Kunden programmiert.“