„Es zeichnet sich langsam eine Preisobergrenze ab“

Sachwerte Top News von Julia Groth

procontra: Welche Städte trifft dies besonders?

Braun: Unterscheiden muss man zwei Typen von Zuwandererstädten, zum einen diejenigen, die nur kurzfristig profitieren, zum anderen die mit einem nachhaltigen Trend. Zu den unechten Wachstumsstädten würde man beispielsweise Bielefeld oder Halle zählen, die zwar einen kurzfristigen Wachstumsschub aus dem Umland erhalten, wo jedoch die überregionale Migration intakt bleibt, so dass mittelfristig wieder mit einem Rückgang der Bevölkerung zu rechnen ist. Dies hat dann natürlich auch Auswirkungen auf die Immobilienpreise.
Als Zweites sind hier die echten Wachstumsstädte zu nennen, bei der ein weiterer Trend zum Wachstum intakt bleibt. Dies sind München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf oder Köln. Hier sehen wir auch weiterhin einen deutlichen Preisanstieg. Im Jahresvergleich stiegen hier die Preise für Eigentumswohnungen um 13 Prozent, für Einfamilienhäuser um 10 Prozent, Mieten legen allerdings nur um 2 Prozent zu.

procontra: Wie bewerten Sie in diesen Städten den Immobilienmarkt?

Braun: Grundsätzlich sind auch hier noch Schnäppchen möglich, die dürften sich allerdings kaum in Inseraten finden. Entscheidender ist allerdings für Investoren, wie lange die Nullzinspolitik der EZB noch anhält und wie schnell dann andere Anlageformen wieder interessant werden. Die Preise für Selbstnutzer werden sich aufgrund des hohen Bedarfs in der Tendenz erst mal nicht ändern. Es zeichnet sich allerdings langsam eine Preisobergrenze ab, dies wird auch in dem Bau kleinerer Wohnungen für Selbstnutzer deutlich. Ein für Immobilienblasen typisches hohes Rückschlagspotenzial wie in den Krisenländern Spanien oder Irland sehe ich nicht. Selbst im ungünstigsten Fall dürften die Preise kurzfristig allenfalls um 20 bis 30 Prozent zurückgehen. Aber dann müssten schon wirkliche Katastrophen am Finanzmarkt eintreffen, und selbst dann hat dies kaum Auswirkungen auf altersvorsorgende Selbstnutzer oder langfristig orientierte Anleger.

 
In der kommenden Printausgabe der procontra (ab 3.6. im Handel) beleuchten wir den Immobilienmarkt in Zeiten der Niedrigzinskrise.

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