„Es zeichnet sich langsam eine Preisobergrenze ab“

Sachwerte Top News von Julia Groth

Droht eine Immobilienblase? Woran kann man das erkennen und wie würde sie sich auf Anleger und Eigentümer auswirken? procontra sprach darüber mit Dr. Reiner Braun, Vorstand der Empirica AG.

Dr. Reiner Braun, Vorstand der Empirica AG, Berlin

Dr. Reiner Braun, Vorstand der Empirica AG, im Interview über Wachstumsstädte, Schnäppchen und Niedrigzinsen.

procontra: Wie bewerten Sie die Situation in Deutschland hinsichtlich des Risikos einer Immobilienblase?

Dr. Reiner Braun: Zurzeit sehe ich keine Gefahr einer flächendeckenden Immobilienblase. Zwar sind die Preise regional besonders in den Top-7-Städten stark gestiegen, jedoch gilt dies nicht fürs ganze Land. Die Preis-Einkommens-Relation und die Mietpreisvervielfältiger sind gestiegen, aber das Kreditvolumen hat sich von 43 Prozent im Verhältnis zum BIP kaum verändert. Dies ist wichtig, da eine Ausweitung des Kreditvolumens bei einem Platzen einer Blase für die Volkswirtschaft negative Auswirkungen hat.

procontra: Welche Faktoren kennzeichnen die Entwicklung in der Bundesrepublik?

Braun: Ein wichtiger Faktor ist die Landflucht. Der Anteil der Abiturienten und Akademiker ist gestiegen, die leben dann kaum noch auf dem Land. Vielmehr ziehen sie in die Studienorte und von dort aus in die hippen Schwarmstädte der Republik. Das treibt dort dann die Preise einer ganzen Region, während es in den ländlichen Teilen Ostdeutschlands, aber auch dem Bayerischen Wald oder im Schwarzwald zu Leerständen führt, die die Preise dort drücken. Es bleiben nur noch die Alten vor Ort. Die Metropolräume sind überlastet, während in den ländlichen Regionen genug Wohnraum zur Verfügung steht. Es fehlen die Anreize, dass die jüngeren Gutausgebildeten wieder in die Heimatregionen zurückgehen. So verödet an der einen Stelle die Infrastruktur, die an anderer Stelle wieder teuer aufgebaut werden muss.

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