„Der Bedarf an privater Altersvorsorge steigt“

Versicherungen Top News von Sebastian Wilhelm

Im procontra-online-Interview spricht Dr. Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV), über die Zukunft der klassischen Lebensversicherung und der neuartigen Garantiemodelle.

Quelle: Dr. Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV)

proconta: Herr Schwark, viele Versicherer – und auch Kunden – halten beim heutigen Höchstrechnungszins noch an der Klassik-LV fest. Wird das Ihrer Meinung nach auch noch gelten, wenn wie geplant ab 2017 eine Null vor dem Komma steht?

Dr. Peter Schwark: Lebensversicherer erzielen selbst in der momentanen Niedrigzinsphase noch eine Rendite bei der Neuanlage von Kundengeldern, die deutlich oberhalb der Renditen von Staatsanleihen höchster Bonität liegt. Zudem ist der Höchstrechnungszins nur ein Baustein der Gesamtrendite einer Lebensversicherung. Zusätzlich erhalten Kunden auf ihren Sparanteil eine Überschussbeteiligung. Sie erhöht die vertraglich garantierte Versicherungssumme. Wie hoch die Überschussbeteiligung ausfällt, lässt sich zum Vertragsbeginn jedoch nicht abschätzen.

procontra: Dennoch sinkt mit dem Garantiezins auch die Attraktivität der Klassik-LV. Gehört die Zukunft den neuartigen LV-Garantiemodellen?

Schwark: Die neuen Garantieprodukte werden vom Markt gut angenommen: Knapp 40 Prozent des Neugeschäfts finden bereits in diesem Segment statt – mit stark steigender Tendenz. Das Spektrum dieser Produkte ist groß. Allen gemeinsam ist, dass sie eine lebenslange Mindestrente bieten. Laut Ratingagentur Assekurata erreicht die deklarierte Gesamtverzinsung der analysierten neuen Produkte mit reduziertem Garantiezins (18 Unternehmen, Marktanteil rund 42 Prozent) aktuell 3,71 Prozent. In der Klassik sind es 3,56 Prozent.

procontra:
Kritiker monieren aber, dass die Renditechancen gegenüber einer Klassik-LV kaum höher lägen, wofür der Kunde indes zu einem guten Teil das Anlagerisiko mit übernähme – stimmen Sie zu?

Schwark: Nein, absolut nicht. Der Blick auf die eben genannten Zahlen belegt, dass die Gesamtverzinsung der neuen Produkte im Durchschnitt durchaus höher ist. Zudem ist die Behauptung, bei den neuen Produkten würden die Risiken auf die Kunden abgewälzt, während die Erträge im Unternehmen blieben, nicht korrekt. So ist die Verteilung des Ertrags zugunsten der Kunden auch bei den neuen Produkten durch die Mindestzuführungsverordnung vorgeschrieben. Die neuen Produkte bieten auch weiterhin Garantien, vor allem ab Rentenbeginn ein lebenslang garantiertes Einkommen.

Ein weiterer großer Vorteil für die Kunden: Sie bekommen mehr Flexibilität, beispielsweise können sie bei einigen Produkten selbst über die Anlage der Überschussbeteiligung entscheiden, und das jedes Jahr.

procontra: Auch die Höhe der Abschlusskosten und Gebühren steht in der Kritik. Können und werden die LV-Anbieter an dieser Schraube weiter drehen?

Schwark: Zunächst einmal: Die Erträge der Lebensversicherung gehen zu über 98 Prozent an die Kunden. Bei den Kosten sehen auch wir Einsparpotenzial – und haben bereits gehandelt. Unsere Verwaltungskostenquote ist durch Programme zur Produktivitätssteigerung stetig gesunken, fast in jedem Jahr. In 2015 haben die Unternehmen auch die einkalkulierten einmaligen Abschlusskosten, die über die ersten fünf Jahre zu verteilen sind, durch Umsetzung der Reform von 2014 um 40 Prozent gesenkt. Klar ist auch, ein Ende der Niedrigzinsperiode ist derzeit nicht in Sicht. Wir werden daher weiter an den Kosten arbeiten.

procontra:
Zusammengefasst: Würden Sie einem Freund heute noch zu einer LV als Altersvorsorge raten?

Schwark: Sicher: Der Bedarf an privater Altersvorsorge steigt, insbesondere im Niedrigzinsumfeld. Zudem hat gerade erst eine Umfrage der Verbraucherzentralen ergeben, dass Sparer größten Wert auf Sicherheit bei der Altersvorsorge legen. Es bleibt dabei: Wer für das Alter vorsorgen will und Wert auf lebenslange Leistungen legt, kommt an der privaten Rentenversicherung nicht vorbei – seien es klassische oder „neue“ Rentenversicherungsprodukte.

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