Anwaltskanzlei verunsichert Versicherungskunden

Berater von Martin Thaler

Eine Münchener Wirtschaftskanzlei warnte in Werbeschreiben vor dem Ende der Lebensversicherung. Als Quelle dienten ihr angebliche Aussagen der BaFin - diese hat die BaFin jedoch niemals getätigt.

BaFin-Chef Felix Hufeld

BaFin-Chef Felix Hufeld © frank-beer.com / BaFin

In fünf bis sechs Jahren sei kein Lebensversicherer mehr überlebensfähig – schon jetzt seien sechs Lebensversicherungsunternehmen unter einen Schutzschirm gestellt. Diese Behauptungen veröffentlichte die Kanzlei KMP Rechtsanwälte per Mail sowie abgeschwächt auf ihrer Homepage, verbunden mit dem Dienstleistungsangebot, fehlerhafte Versicherungsverträge rückabzuwickeln. Als Quelle für ihre Aussagen gab die Kanzlei ein „Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen (BAFIN)“ an.

Nun meldete sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zu Wort: „Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat keine derartige Aussage getroffen. Auch entspricht es nicht den Tatsachen, dass derzeit sechs Lebensversicherungsunternehmen ,unter einem Schutzschirm’ gestellt seien“, heißt es von Seiten der BaFin. Auch die Auffassung, dass kein Lebensversicherer in den nächsten fünf bis sechs Jahren mehr überlebensfähig bzw. das Produkt Lebensversicherung nicht mehr existent sei, teile die BaFin nicht.

Inzwischen wurde die Kanzlei von der Wettbewerbszentrale abgemahnt und hat eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Auf Nachfrage des Magazins „Finanztest“ zog KMP-Anwalt Markus Klamert die Aussagen zurück: Die Informationen seien „populistisch im Sinne der Verbraucher“ dargestellt worden.

BaFin-Chef Felix Hufeld hatte jüngst gegenüber dem Handelsblatt erklärt, dass auf der Versicherungsbranche aufgrund des Niedrigzinsumfelds ein starker Druck laste. Bei mindestens einem Dutzend Gesellschaften soll die Kapitaldecke bereits arg dünn sein, erklärte Hufeld.