900 Millionen für den Notfall

Versicherungen von Martin Thaler

Niedrigzinsen belasten die Lebensversicherungsbranche, erste Unternehmen kommen "in Manndeckung". Dennoch sieht man sich für den Ernstfall gut gerüstet, sagt Protektor-Chef Felix Hufeld.

Die LV-Branche sieht sich für den schlimmsten Fall gewappnet.

Die LV-Branche sieht sich für den schlimmsten Fall gewappnet. Foto: Lsantilli - fotolia.de

Die deutschen Lebensversicherer haben es derzeit nicht leicht: Die anhaltenden Niedrigzinsen der EZB schmälern die Renditen der Versicherer, die ihr Geld vor allem in Anleihen mit guter Bewertung gesteckt haben, beträchtlich. Dennoch muss die Branche die hohen Zinsversprechen, die sind in ihren alten Verträgen abgegeben hat, erfüllen.

Der Druck auf die Branche ist entsprechend stark. Vor kurzem hatte Felix Hufeld, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin gegenüber dem Handelsblatt erklärt, dass bei mindestens einem Dutzend Gesellschaften die Kapitaldecke bereits arg dünn geworden sei. Die Unternehmen müssen folglich „in Manndeckung“ genommen werden, pflegte Hufeld dann stets zu sagen.

Eine Reihe von Unternehmen bekam nun auch Post von der BaFin, in der diese „Manndeckung“ spezifiziert wurde. Denn die betroffenen Versicherer müssen zum Rapport, alle drei Monate, und über die Fortschritte bei der Überwindung ihrer  Probleme berichten. Von der Manndeckung seien etwa 20 Versicherer betroffen, berichtet die Süddeutsche Zeitung – Probleme hätten aber etwa die Hälfte der rund 90 Lebensversicherer.

Eine Münchener Anwaltskanzlei rief zuletzt gar das Ende der Lebensversicherung an sich aus – mit Verweis auf die BaFin, die diese Aussagen jedoch nie getätigt hatte.

So agiert Protektor im Notfall

Die deutschen Lebensversicherer sehen sich für den schlimmsten Fall allerdings gerüstet. So könne die Auffanggesellschaft Protektor selbst die Schieflage eines größeren Versicherers meistern, erklärte Protektor-Chef Jörg Westphal in der aktuellen Ausgabe des Handelsblattes. „An Geld würde es nicht mangeln.“

Rund 900 Millionen habe Protektor aktuell in der Kasse, erklärte Westphal. Im Fall der Fälle müsste die Auffanggesellschaft nicht alle Policen ausbezahlen. Stattdessen würden sie übernommen und weitergeführt – Protektor müsse nur den Betrag ausgleichen, der in der Bilanz des betroffenen Unternehmens fehle. „Da wir lediglich eine Unterdeckung ausgleichen müssen, kommen Sie mit 900 Millionen Euro schon recht weit.“ Die Versicherer haben sich zudem zu Sonderbeiträgen in gleicher Höhe verpflichtet, sollte das Geld doch nicht reichen.

Dies sei jedoch höchstens der Fall, wenn die drei größten Unternehmen der Branche pleitegehen, erklärte Allianz-Chefinvestor Maximilian Zimmerer gegenüber dem Focus. „Aber da ist gar nichts zu befürchten.“