„Wertpapiersparen ist sinnvollste Form der Altersvorsorge“

Investmentfonds Top News von Martin Thaler

Die Dividendensaison startet: Welche Möglichkeiten und Risiken Dividendenfonds für Anleger bieten, warum japanische Unternehmen aus Dividendensicht interessant werden und warum die USA in Sachen private Altersvorsorge vorangeht, erklärt im Gespräch mit procontra Deka-Fondsmanagerin Dr. Ilga Haubelt.

Dr. Ilga Haubelt, Leiterin Aktien Global bei der Deka Investment und Fondsmanagerin des Deka-DividendenStrategie. Foto: deka

procontra: Die Bedeutung von Dividenden nimmt seit einigen Jahren stetig zu. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Dr. Ilga Haubelt: Das seit der Finanzkrise anhaltende Niedrigzinsumfeld hat dazu geführt, dass Anleger mit festverzinslichen Wertpapieren kaum noch Rendite erwirtschaften können. So liegen beispielsweise die Renditen der Unternehmensanleihen von BASF und Siemens mit 5-6jähriger Laufzeit bei rund 0,6 Prozent. Die Dividendenrenditen der beiden Unternehmen liegen dagegen bei 4,5 und 4,3 Prozent.  Dividendenaktien bieten zusätzlich einen attraktiven Renditeaufschlag für Anleger und stehen daher zunehmend in deren Fokus: Seit 2009 hat sich das in Dividendenaktienfonds angelegte Vermögen mehr als versechsfacht und inzwischen fast die 100 Mrd. Euro Marke erreicht.  

procontra: In Amerika setzen viele Arbeitnehmer schon seit geraumer Zeit auf Dividendenerträge als Bestandteil ihrer Altersvorsorge. Ist das ein Modell, das auch in Deutschland Schule machen könnte?

Haubelt: In den USA spielt private Altersvorsorge schon viel länger als bei uns eine größere Rolle, da die staatliche Rente dort lediglich ein Niveau von 47 Prozent des letzten Lohns abdeckt. Daher sparen viele US-Amerikaner über betriebliche Pensionsfonds, die in der Regel mehr als 50 Prozent in Aktien investiert sind, für ihr Alter. Aufgrund der Tatsache, dass wir alle immer älter werden, gerät auch in Deutschland die private Altersvorsorge verstärkt in den Fokus. Das regelmäßige Wertpapiersparen ist für große Teile der Bevölkerung die sinnvollste Form der Vermögensanlage und des Vermögensaufbaus, das gilt insbesondere für die Altersvorsorge. Gerade dividendenstarke Titel können dazu einen Beitrag leisten, weil langfristig fast 70 Prozent des Gesamtertrags einer Anlage in Dividendenaktien aus Dividendenerträgen kommt.

procontra: Wo liegen die Unterschiede in der Dividenden-Philosophie amerikanischer und deutscher bzw. europäischer Unternehmen?  

Haubelt: Europäische Unternehmen schütten in der Regel höhere Dividenden aus als ihre US-amerikanischen Vergleichskandidaten. Viele US-Unternehmen bevorzugen Aktienrückkäufe oder geben Geld in einer Kombination aus Aktienrückkauf und Dividende an die Aktionäre zurück. Daher haben sie niedrigere Ausschüttungsquoten und gehen so ein geringeres Risiko ein, die Dividende in schwierigen Zeiten kürzen zu müssen. Dadurch haben sie mehr Geld für Investitionen in der Hinterhand. Ein weiterer Grund ist, dass die Manager vieler US-Unternehmen über Optionsprogramme am Unternehmenserfolg beteiligt sind, deren Ausübung zu einer steigenden Aktienzahl für das Unternehmen führen. Über Aktienrückkäufe kann die Aktienanzahl konstant gehalten werden.  

procontra: Ihr Fonds investiert in Unternehmen weltweit. Gibt es Regionen, die sich dividendentechnisch besonders lohnen? Und welche, von denen Sie eher abraten?

Haubelt: Da europäische Unternehmen höhere Dividenden zahlen als vergleichbare Firmen in den USA, haben wir erstere auch zu fast 50 Prozent im Portfolio.  Stärker in den Fokus rücken könnten künftig japanische Unternehmen. Diese werden zunehmend aktionärsfreundlicher und geben über Aktienrückkäufe und Dividenden Geld an die Anleger zurück.  

Seite 1: Viele US-Amerikaner sparen über betriebliche Pensionsfonds
Seite 2: Auswahlkriterien bei der Fondszusammenstellung

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare