Riester und Rente: Fünf Stühle, fünf Meinungen

Berater von Martin Thaler

Das Thema Altersarmut ist in Politik und Medien angekommen. Am Montag diskutierte Frank Plasberg die Themen Rente und Riester bei "Hart aber fair". Dabei kam es zu einer kontroversen Diskussion.

Journalist Hermann-Josef Tenhagen diskutierte am Montag zum Thema Rente und Riester bei Frank Plasberg.

Journalist Hermann-Josef Tenhagen diskutierte am Montag zum Thema Rente und Riester bei Frank Plasberg. Screenshot: ARD

Altersarmut, Riester-Debatten: Die Diskussion um das Thema Rente hat die Politik und damit auch die Medien erreicht. Ob es den Wahlkampf 2017 dominieren wird, bleibt abzuwarten – im TV-Talk geht momentan kein Weg dran vorbei. So wollte auch ARD-Diskussionsleiter Frank Plasberg am Montag von seinen Gästen wissen: „Heute jung, morgen arm – Schuften für eine Mini-Rente“.

 Eine solche droht beispielsweise einer eingeladenen alleinerziehenden Krankenpflegerin, die mit rund 1900 Euro Nettoverdienst über ein Durchschnittseinkommen verfügt. Der Rat von Staatssekretär Jens Spahn (CDU), der an diesem Abend die Fahne für die Riester-Rente hochhielt: „Wer im Alter mehr haben will, muss heute auf etwas verzichten.“ Die Riester-Rente biete hier für Geringverdiener und Familien attraktive Zusatzleistungen. 

Genau das zweifelte aber Ralf Stegner (SPD) an. Schließlich könnten sich seiner Meinung nach diejenigen, die eine zusätzliche Vorsorge wirklich nötig hätten, diese nicht leisten. Diejenigen, die Vorsorge betreiben, bräuchten sie hingegen nicht. Journalist Hermann-Josef Tenhagen fasste zusammen: Heutige Geringverdiener seien auch als Rentner „am Arsch“. Schließlich würde Riester auf die Grundsicherung angerechnet.

Probleme ja, Fundamentalkritik nein: So lautet der Ansatz von Jens Spahn an diesem Abend. Probleme müssen angesprochen werden, die Menschen dürften dabei allerdings nicht verunsichert werden, so Spahn: „Man kann darüber reden, was man besser machen kann, aber insgesamt hat jeder, der spart, mehr, als wenn er es nicht gemacht hätte.“

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes", verband seine Kritik gleich mit einer persönlichen Anekdote: Er selbst habe einmal eine Riester-Rente abgeschlossen, diese jedoch wieder gekündigt, nachdem er ausgerechnet hatte, dass er 90 Jahre hätte werden müssen, um das eingezahlte Vermögen wieder rauszubekommen. „Ich bin draußen und fühle mich besser“, so seine Botschaft, für die er aus der Runde heftige Kritik einstecken musste.

Bleibt als Alternative also nur die Anhebung des gesetzlichen Rentenniveaus? Nicht finanzierbar, kontert Jens Spahn. Eine Erhöhung auf 50 Prozent (heute: 47,8 Prozent) würde 30 Milliarden Euro kosten – macht für den Durchschnittsverdiener 75 Euro im Monat.

 

Der Rest des Abends ging dann leider in einem wilden Durcheinander unter, bei dem sich die Diskutanten höchstens darin einig waren, nicht einig zu sein. Moderator Plasberg konzertierte: „Ich hätte Chorleiter werden sollen, dann könnte ich hier vielleicht noch was Harmonisches rausholen.“

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