PKV-Verband kritisiert Handelsblatt

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Das Handelsblatt lässt seine Leser abstimmen: Ist die PKV eine sinnvolle Ergänzung zur GKV oder gehört die PKV abgeschafft? Der Verband der Privaten Krankenversicherungen ist wenig erfreut - doch das hat noch andere Ursachen.

Wie das Handelsblatt für Verstimmung beim PKV-Verband sorgte. (Symbolbild) Fotolia /vadymvdrobot

Niedrigzins, Riester-Kritik und nun führen Handelsblatt und PKV-Verband ein ganz eigene Flüchtlingsdebatte.

Vergangenen Donnerstag veröffentlichte das Handelsblatt auf seiner Online-Plattform einen Artikel, der für heftigen Unmut beim Verband der Privaten Krankenversicherung sorgte. Im Artikel heißt es: „Im Werben um ihre Kunden ziehen die privaten Krankenversicherer alle Register. Ab Mai können sich die Versicherten auch auf Arabisch bei Problemen mit ihrem Arzt oder ihrer Gesellschaft beraten lassen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung fördert ab Mai ein entsprechendes Projekt der neu organisierten Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). Bisher gab es nur Beratungen auf Deutsch, Türkisch und Russisch. Ob sich die Versicherer von der Flüchtlingswelle einen Schub an Neuverträgen erhoffen, bleibt unklar…“

In einem Schreiben, das procontra vorliegt, heißt es von Verbandsseite dazu: „Wie man abseits von Aprilscherzen auf die Idee kommen kann, dass dieses eindeutig aus gesellschaftlicher Verantwortung motivierte Sozialprojekt der Beratung von Flüchtlingen dem Bemühen um neue Kunden dienen solle, ist intellektuell schwer nachvollziehbar.“

Handelsblatt-Leser stimmen über PKV ab

Doch Verbandssprecher Reker hatte in dem Schreiben an seine Kollegen noch mehr an der „ehemaligen Wirtschaftszeitung“ (Zitat Reker) auszusetzen. Der Artikel im Handelsblatt nahm sich u.a. die Entwicklung des PKV-Nettobestands zum Thema. Der Titel lautete: „Versicherte flüchten aus privater Krankenversicherung“.

Reker rechnete gegen: Zwischen 2012 und 2015 sei der Nettobestand in der PKV-Vollversicherung um 2,07 Prozent zurückgegangen. Im selben Zeitraum sei die verkaufte Auflage des „Handelsblatt“ (einschließlich Sonderverkäufe, Bordexemplare und E-Paper, Quelle: IVW) um 9,75 Prozent gesunken – also fast fünf Mal so stark.

Im Artikel lässt das Handelsblatt seine Leser auch abstimmen. Dabei zeigt sich allein anhand der Fragestellung, welche Rolle das Handelsblatt der PKV zugesteht: Entweder die PKV ist eine sinnvolle Ergänzung zu den gesetzlichen Kassen oder die PKV sei nicht mehr zeitgemäß und gehöre abgeschafft. Reker rief die angeschriebenen Pressestellen dazu auf, den Artikel und die Möglichkeit der Abstimmung bei Innen- und Aussendienst „unverzüglich“ bekannt zu machen. Am Freitag Mittag hatten bereits 10.844 Personen abgestimmt; bis Montag vormittag waren es über 13.000. Das Abstimmungsergebnis änderte sich kaum: 67 Prozent sehen in der PKV eine sinnvolle Ergänzung.

Ob der Aufruf des PKV-Verbands sich an der Umfrage zu beteiligen, erhöhte Zugriffszahlen beim Handelsblatt verursachte, bleibt Spekulation.