Offene Immobilienfonds haben zu viel Geld

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Der Niedrigzins treibt Anleger in Sachwerte. Doch attraktive Anlageziele werden knapp. Wohin mit dem Geld?

OIF: Manager wissen derzeit nicht, wohin mit dem Geld.

Nehmen keine Gelder mehr an: OIF (Symbolbild) Fotolia / Andrey Popov

Normalerweise freuen sich Verkäufer, wenn Kunden ihnen die Tür einrennen. Doch bei offenen Immobilienfonds (OIF) sind neue Anleger derzeit nicht gern gesehen: Die drei Flaggschiff-Fonds der Volksbanken-Fondsgesellschaft Union Investment nehmen derzeit kein neues Geld mehr an, auch die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka hat ihre Zielmarke für neu anzulegendes Geld in ihren offenen Immobilienfonds für das laufende Jahr fast erreicht. Dies berichtet Scope Ratings in einer Pressemitteilung. Dazu Sonja Knorr, Director Alternative Investments: „Das tut den Anbietern zwar weh, aber die Fondsmanager wissen derzeit einfach nicht wohin mit all dem Geld.“

Liquidität kostet Rendite

Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres seien den in Deutschland zugelassenen OIF 2,2 Milliarden Euro zugeflossen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2014 waren es laut Scope etwa 3,9 Milliarden Euro und 2015 rund 5,3 Milliarden Euro. Nun bahnt sich eine weitere Steigerung an. „Die Mittelzuflüsse sind derzeit extrem hoch“, beobachtet Knorr. Hauptgrund: Das Niedrigzinsniveau erhöht die Anziehungskraft von Sachwerten und treibt immer mehr Anleger in OIF. Deren Emittenten sähen sich deshalb zunehmend gezwungen, den Geldzufluss zu reglementieren. Der Grund: Eine hohe Liquidität in den Fonds kostet im aktuellen Umfeld von Null- und Negativzinsen nun einmal Rendite.

Zugleich treibe das Zinstief die Immobilienpreise. Zuletzt mussten die Fonds daher immer höhere Risiken eingehen, um frisches Geld rentierlich anzulegen, berichtet Scope. Zum Beispiel hätten Fondsmanager in Metropolen Immobilien in weniger attraktiven B-Lagen gekauft. Der nächste Schritt wäre, auch Immobilien an B-Standorten in B-Lagen zu kaufen, also weniger attraktive Objekte in Kleinstädten und ländlichen Gebieten. „Die Risiken bei solchen Objekten sind ungleich höher“, sagt Knorr. Entsprechend groß sei die Gefahr, bei einer Abkühlung des Immobilienmarktes herbe Verluste zu erleiden, wenn Kunden Geld abziehen und die Fonds Objekte verkaufen müssen. Vor diesem Hintergrund sei es richtig, dass die Fonds Zuflüsse stoppen, statt ständig wachsende Risiken einzugehen.