Immobilienfonds stoppen Anteilsausgabe

Investmentfonds von Martin Thaler

787 Millionen Euro flossen in diesem Januar in offene Immobilienfonds - zu viel aus Sicht einiger Fondsbetreiber. Dabei sind die Auswirkungen der letzten Krise noch immer spürbar.

Einige Immobilienfonds geben derzeit keine Anleihen mehr heraus. Foto: Janina Dierks - fotolia.de

Die Niedrigzinsen der EZB machen sich zunehmend auf dem Immobilienmarkt bemerkbar. Denn angesichts der Zinsflaute entscheiden sich immer mehr Anleger dafür, ihr Geld in „Betongold“ zu investieren, wie Zahlen des Fondsverbandes BVI verdeutlichen.

So steckten Anleger im Januar dieses Jahres insgesamt 787 Millionen Euro in offene Immobilienfonds – netto wohlgemerkt. Dabei sind die Auszahlungen, die die Fonds machen (die derzeit neun in Abwicklung begriffenen Fonds eingeschlossen), bereits abgezogen.   Der Immobilienboom lässt sich besonders gut verdeutlichen, wenn man sich die Zahlen des Vormonats bzw. des Vorjahres anschaut. Im Dezember vergangenen Jahres flossen insgesamt 198,6 Millionen Euro in offene Immobilienfonds, ein Viertel des Januarwerts.

Im Vorjahresmonat waren es sogar nur 84,3 Millionen Euro. Nach Angaben des BVI gab es in diesem Januar den höchsten Mittelzufluss seit Dezember 2014, berichtet die Deutsche Presse Agentur.

Konkurrenzkampf um lukrative Immobilien

Für die Branche wird es damit immer schwieriger, lukrative Immobilien für ihre Investments auszumachen. Verschärft wird der Konkurrenzkampf um die besten Immobilien durch die Strafzinsen der EZB. Diese zwingen die Fonds dazu, ihre Liquiditätsquoten möglichst niedrig zu halten, da die Banken die Strafzinsen teils an institutionelle Investoren wie Fonds weiterreichen.

Auch aus diesem Grund haben einige Fonds nun entschlossen, keine neuen Gelder der Anleger mehr anzunehmen. Keine Anteile gibt unter anderem der offene Immobilienfonds „Grundbesitz Fokus Deutschland“ der Deutschen Bank mehr aus – Anteile an den Fonds „Grundbesitz Europa“ und „Grundbesitz Global“ können jedoch weiter gekauft werden.

„Unsere offenen Immobilienfonds sind stark nachgefragt“, erklärt auch Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer von Deka Immobilien, gegenüber dpa. „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir die Nachfrage in diesem Jahr nicht vollständig befriedigen können.“ Beim Sparkassen-Wertpapierhaus wird ein Kontingentsystem angewendet – nach Ausschöpfung dieser Kontingente sind allerdings Anlagen mittels Sparplänen weiterhin möglich.

Auch wenn die Immobilienbranche derzeit boomt, sind die Nachwirkungen der letzten Krise noch immer zu spüren. Neben den besagten neun Fonds, die sich derzeit in der Abwicklung befinden,  ist bei einem weiteren das Vermögen derzeit eingefroren und sieben weitere liegen in den Verwahrstellen. Die hiervon betroffenen Fonds verwalten nach Angaben des BVI Anlegergelder in Höhe von 9,744 Milliarden Euro.

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