Darum boomt der Wohninvestment-Markt

Sachwerte von Michael Fiedler

Das Transaktionsvolumen bei Wohnimmobilien als Investment stieg innerhalb eines Jahres um 68 Prozent auf 22,5 Mrd. Euro. Welche Gründe das hat und wie die Zukunft aussehen könnte.

Wohninvestment: Nicht jeder sieht die Entwicklung unkritisch.

Wohninvestment: Nicht jeder sieht die Entwicklung unkritisch. Fotolia / ebenart

2015 wechselten 255 Wohnungspakete in Deutschland den Eigentümer. In Summe waren das ca. 319.500 gehandelte Einheiten - 33 Prozent mehr als 2014. Und auch bei die Preiskurve zeigt deutlich nach oben: wurden 2014 knapp 56.000 Euro je Wohneinheit bezahlt, waren es 2015 über 70.000 Euro.
Im Fünfjahresvergleich wird die Dynamik auf dem deutschen Wohninvestmentmarkt noch deutlicher: 2010 waren es 135 Portfolios mit insgesamt 55.300 Einheiten, die den Eigentümer wechselten, und das Volumen aller Transaktionen betrug lediglich 3,34 Mrd. Euro.

Karsten Nemecek, vom Immobiliendienstleistungs-Unternehmen Savills sieht einen der Hauptgründe für diese Entwicklung darin, dass Investoren den Wohnimmobilienmarkt als relativ risikoarme Anlageklasse wahrnehmen. In den vergangenen fünf Jahren habe sich auch die Käuferstruktur geändert: von opportunistischen Investoren und Private Equity Fonds hin zu börsennotierten Wohnungsunternehmen sowie Versicherern und Pensionsfonds.

Nach Ansicht von Nemecek haben auch Börsengänge und Kapitalerhöhungen, wie z.B. von der Vonovia, TAG, Adler Real Estate oder LEG NRW, dafür gesorgt, dass sich der Anlagebereich von Aktieninvestoren auf den Immobiliensektor erweitert.

Mieten steigen in den sieben größten Städten

29 Prozent der gehandelten Wohnungsportfolios entfielen auf die Top-7-Standorte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Dennoch zeige sich eine Sonderstellung für Berlin: Zwei Drittel der Transaktionen in den Top 7 fanden in Berlin statt, das sich zu einem zentralen Immobilienstandort in Europa entwickelt hat. Inwieweit die gesetzlich an vielen Standorten jüngst eingeführte Mietpreisbremse die Aussicht auf weiteres Mietwachstum einschränkt, bleibt noch abzuwarten. Grundsätzlich ist jedoch von einem dämpfenden Effekt auszugehen.

Hannover, Leipzig, Dresden werden attraktiver

Dass sich Investoren auf auf bestimmte Standorte konzentrieren, berge auch Risiken, so Nemecek. Zwar sei die Sicherheit der Investitionen erst einmal höher, weil hier die Mietpreise aufgrund der absehbar steigenden Nachfrage bei nach wie vor zu geringer Neubautätigkeit weiter steigen werden. Allerdings nicht unbegrenzt. Die Renditen an besonders begehrten Standorten würden auch wieder sinken.

Städte wie Hannover, Dresden, Leipzig oder Ulm könnten bald verstärkt in Fokus von Investoren geraten. Denn Leerstandsquoten und Immobilienpreise seien im Vergleich zu den Metropolen niedrig. Investoren, die geeignete Anlagemöglichkeiten suchen, könnten an diesen Standorten fündig werden, so Nemecek.