Wenn die Psyche zum Problem wird

Berater von Martin Thaler

Frauen sind anders krank als Männer – das ist die Erkenntnis des neuen DAK-Gesundheitsreports. Insbesondere für das betriebliche Gesundheitsmanagement ergeben sich hieraus interessante Ansätze.

Foto: Antonioguillem - Fotolia.com

Frauen sind anders krank als Männer. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der in dieser Woche erschienene DAK-Gesundheitsreport 2016, der sich schwerpunktmäßig auf die geschlechterspezifischen Unterschiede beim Krankenstand konzentriert.  

Insgesamt betrachtet fehlten Frauen 14 Prozent häufiger an Ihrer Arbeitsstelle als ihre männlichen Kollegen. Damit waren in 2015 an jedem Tag 44 von 1.000 weiblichen Beschäftigten krankgeschrieben. Bei den Männern waren es 39. Frauen waren dafür im Durchschnitt kürzer krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen. Der allgemeine Krankenstand lag im vergangenen Jahr bei 4,1 Prozent – der höchste Wert seit 16 Jahren.

„Unsere Analysen ergeben, dass steigende Krankschreibungen wegen psychischen Erkrankungen sowie Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems Auslöser des kontinuierlichen Anstiegs sind", kommentierte Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, die Ergebnisse.

Diese zeigen auch, dass Frauen deutlich häufiger als Männer aufgrund psychischer Erkrankungen fehlen (+67 Prozent mehr Fehltage). Insbesondere Depressionen sind hier zu nennen. So bekam im vergangenen Jahr jede elfte Frau beispielweise eine Verordnung für Antidepressiva, aber nur jeder zwanzigste Mann.

Männer erkrankten laut der Untersuchung dafür weitaus häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (+65 Prozent mehr Fehltage). Zwischen 45 und 64 Jahren erkrankt fast jeder zehnte Mann an einer koronaren Herzerkrankung.  

Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern stellte der Report allerdings bei Krebserkrankungen fest. Hier lag die Anzahl der Fehltage bei Frauen um 74 Prozent höher als bei ihren männlichen Kollegen. Zwar sei das Risiko an Krebs zu erkranken bei Männern und Frauen gleich, doch erkrankten Männer meist erst im höheren Alter. Frauen seien von Krebs (zumeist Brustkrebs) hingegen bereits im Berufsleben betroffen.  

Passgenaue Maßnahmen für Männer und Frauen

Der geschlechterspezifische Ansatz der Studie lässt auch Rückschlüsse für das betriebliche Gesundheitsmanagement zu. „Für die geschlechtersensible Gesundheitsforschung sind diese Ergebnisse ein wichtiger Baustein“, sagt Petra Kolip, Professorin für Prävention und Gesundheitsförderung an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. „Diese sehr konkreten Daten des DAK-Reports sind hilfreich, um möglichst passgenaue Maßnahmen ableiten zu können.“  

So sollten sich an Männer gerichtete Aktionen vor allem auf körperlich orientierte Maßnahmen konzentrieren. Vielversprechend seien dabei Maßnahmen, die einen spielerischen und lustbetonten Ansatz haben, die Technik einschließen oder als Wettbewerb organisiert sind.  

Frauen sollten hingegen eher über die Themen Entspannung und Entlastung angesprochen werden. Kurse zum Thema Zeit- und Belastungsmanagement, die emotionale Verarbeitung von Belastungen, der Umgang mit Doppelbelastungen – Erfolg versprechen hier Maßnahmen, die den Abbau von Stress zum Ziel haben, so die Experten.

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