„Schengen ist für Europas Wirtschaft von zentraler Bedeutung“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Julia Groth

Mit Grenzkontrollen und ohne Großbritannien würde die EU düsteren Zeiten entgegenblicken, warnt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Die Lage ist seiner Einschätzung nach aber nicht so schlimm, wie sie auf den ersten Blick scheint – und Europa-Investments hält er nach wie vor für attraktiv.

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, sieht im Bestehen des Schengen-Raums einen zentralen Baustein der europäischen Wirtschaft. Bild: DZ Bank

procontra: Die politischen Spannungen in Europa nehmen zu. Wird es die EU, wie wir sie kennen, in einem Jahr noch geben?

Stefan Bielmeier: Ja. Da bin ich mir ganz sicher.

procontra: Was macht Sie so sicher?

Bielmeier: Die EU steht zweifelsfrei vor großen Herausforderungen. Vor allem ist da die Flüchtlingskrise: In der Bevölkerung gibt es Sorgen, ob diese Krise zu meistern ist oder ob die EU daran zerbricht. Den europäischen Staatschefs sind diese Sorgen aber bewusst. Sie werden nicht zulassen, dass sie Realität werden.

procontra: Der Ton in den politischen Debatten ist zuletzt schärfer geworden.

Bielmeier: Trotzdem deutet sich eine Einigung an. Europas Staatschefs werden sich auf eine bessere Sicherung der EU-Außengrenzen verständigen, mit der Türkei reden, die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas neu regeln. Wichtig ist, dass der Schengen-Raum bestehen bleibt, denn er ist für das Wirtschaftswachstum in Europa von zentraler Bedeutung. Viele europäische Wirtschaftsprozesse basieren auf länderübergreifenden Just-in-Time-Lieferungen. Trotz aller politischer Differenzen: Die Vernunft wird siegen, die EU bleibt bestehen.

procontra: Sie könnte allerdings schrumpfen. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Briten Ernst machen und die EU verlassen?

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