„PKV hat nichts mit billig zu tun“

Versicherungen Top News von Matthias Hundt

procontra: Zurück zu den aktuellen Beitragsanpassungen. Die DKV konnte diese durch den Einsatz von Rückstellungen noch abfedern. Welche Bedeutung kommt der Höhe der Rückstellungen vor diesem Hintergrund zu?

Engelhard: Spannend sind in diesem Zusammenhang die Regelungen im VAG, die den Einsatz der RfB-Mittel regeln. Dort ist festgelegt, wie viel Geld Versicherten aus verfügbaren Mitteln ab dem 55. Lebensjahr gutgeschrieben werden soll. Da ist eines der Kennzeichen wie sich Beiträge entwickeln. Hohe verfügbare Mittel bedeuten große Abfederungsmöglichkeiten, entsprechend gering ist der Handlungsspielraum bei geringen Rückstellungen.

procontra: Es gibt also Kennzahlen, die auf Beitragserhöhungen hinweisen?

Engelhard: Absolut. Auch wenn keine sichere Vorhersage möglich ist, (viele Dinge der letzten 20 Jahre waren nicht vorhersehbar) gibt es Anzeichen für Hochrisiken. Unterdurchschnittlich geringe versicherungsgeschäftliche Ergebnisse, fehlende oder geringe RfB-Mittel, wenig Eigenkapital (abhängig von Gesellschaftsform oder Interessenlage des Aktionärs) eine marktunterdurchschnittliche Nettoverzinsung sind keine Empfehlung am Markt. Eine Einzelbetrachtung sollte nicht überbewertet werden.

Aber Anbieter, deren Kennzahlen sich über Jahre hinweg negativ entwickeln, sind mit Skepsis zu betrachten. Dazu kann auch eine dauerhafte Verkleinerung der Bestandsgröße zählen, obgleich in sehr großen alten Unternehmen oft eine Spiegelung der demographischen Entwicklung zu verzeichnen ist. Hier ist Abrieb weniger dramatisch zu beurteilen als bei jüngeren Anbietern.


procontra:
Geben Sie doch bitte ein Beispiel, wo man eine Beitragssteigerung hätte sehen können. 

Engelhard: Betrachtet man bei der Central die Jahre 2008 bis 2010, in denen die Gesellschaft rasant gewachsen ist, finden wir ein extrem schlechtes Versicherungsgeschäftliches Ergebnis. Parallel dazu eine eher unterdurchschnittliche Nettoverzinsung. Das an sich ist noch nicht ungewöhnlich. Jedoch werden diese Zahlen durch eine sehr geringe RfB-Quote ergänzt und von unterdurchschnittlichen Eigenkapitalmengen komplettiert. Zusätzlich eine überproportional große Anzahl an Nichtzahlern, für die man ohne Beiträge Alterungsrückstellungen bilden musste.

procontra: Mit der logischen Folge von überproportionalen Beitragsanpassungen...

Engelhard: Richtig. Es bleib dem Versicherer auch nichts Anderes mehr übrig. Daher ist es wichtig die Entwicklung des versicherungsgeschäftlichen Ergebnisses, der Nettoverzinsung, der RfB-Mittel und des Eigenkapitals zu beobachten. Fehlendes Wachstum setzt dem dann die sprichwörtliche Krone auf.

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