EZB-Geldpolitik stößt auf scharfe Kritik

Investmentfonds Top News von Martin Thaler

Ob die EZB mit diesen Maßnahmen ihre Ziele erreichen kann, wird von vielen Analysten angezweifelt. Aus Sicht der Versicherungsbranche kritisierte Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, die Entscheidung der Notenbank: „Die EZB hat sich noch tiefer in die Sackgasse manövriert. Mit größter Sorge sieht die Versicherungswirtschaft, dass die Notenbank ihre schon extrem expansive Geldpolitik noch weiter signifikant gelockert hat.Denn immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass diese monetären Anreize ihr Ziel nicht erreichen. Besonders deutlich wurde das seit Jahresbeginn auf den Aktienmärkten oder beim Euro-Wechselkurs, wo Verluste beziehungsweise eine Aufwertung im krassen Gegensatz zur Haltung der Geldpolitik standen.“  

Mittlerweile sei zu befürchten, dass diese Geldpolitik das Gegenteil von dem bewirke, was eigentlich beabsichtigt sei, fuhr Erdland fort und forderte einen Politikwandel: „Wir appellieren erneut nachdrücklich an EZB-Präsident Mario Draghi, die geldpolitische Strategie im Euro-Währungsgebiet im Interesse von Wirtschaft und Haushalten neu zu denken.“  

Unverständnis überwiegt

Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK, wertete das Maßnahmenpaket als „Zeichen enormer Nervosität seitens der obersten Währungshüter“. Auch sie müssten sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang ihre Wirkung verfehlt habe.  

Ins gleiche Horn stieß auch Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und CIO der FERI AG, der die fehlende Selbstreflektion der Währungshüter anprangerte. „Sie ignorieren, dass schon bisher das Hauptziel ihrer Geldpolitik - Inflationsanstieg - deutlich verfehlt wurde“, argumentierte Rapp und fügte hinzu: „Die EZB ebnet damit den Weg für ein monetäres ‚End Game’ - die faktische Übernahme von Staatsschulden durch die Zentralbanken.“

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