Deutsche Bevölkerung wächst auf 85 Millionen

Sachwerte von Stefan Terliesner

Studie: Zuwanderung von außen sowie die Binnenwanderung fördert die Nachfrage nach Wohnraum in wirtschaftsstarken Zentren. Demgegenüber verlieren strukturschwache Regionen an Attraktivität.

Städte wie München profitieren stark von der Binnenwanderung. Bild: Fotolia / Michael Fleischmann

Die Wohnungsmärkte in Deutschland haben in den nächsten 30 Jahren mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen. So wächst die Bevölkerung auf 85 Millionen Menschen an. Dies trägt mit dazu bei, dass die Nachfrage nach Wohnraum in den wirtschaftsstarken Zentren weiter steigt. Demgegenüber müssen strukturschwache Regionen damit rechnen, weitere Teile ihrer Bevölkerung zu verlieren – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Wohnraumnachfrage. Das sind die Ergebnisse einer Studie von Allianz und Prognos.

Entwicklung zum Einwanderungsland

In der Pressemitteilung der Allianz Deutschland AG wird Peter Haueisen, Projektleiter der Allianz Baufinanzierung, zitiert: „Deutschland hat sich seit 2011 sukzessive zu einem Einwanderungsland entwickelt. Für die nächsten 30 Jahre ist daher nicht mit einer Entlastung bereits angespannter Wohnungsmärkte durch eine schrumpfende Bevölkerung zu rechnen.“ Entscheidender Treiber dafür, dass die Wohnungsmärkte sich den Angaben zufolge regional so unterschiedlich entwickeln, sei die Binnenwanderung. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre seien jedes Jahr 3,8 Millionen Menschen über die Kreisgrenzen hinweg umgezogen. Im Jahr 2014 sei 73 Prozent der Veränderungen am Wohnungsmarkt mit der Binnenwanderung erklärbar; die Zuwanderung erkläre lediglich 27 Prozent. Die Zuwanderung aus dem Ausland verstärke die Effekte der Binnenwanderung. Auch sie konzentriere sich auf die wirtschaftsstarken Regionen.

Trend zu Single-Haushalten

Die Binnenwanderung zeige sich wie folgt. Jüngere Menschen ziehen vor allem in Groß- und Universitätsstädte. Für die 30- bis 50-Jährigen dagegen sei auch das gut angebundene Umland wirtschaftsstarker Ballungsräume wie München, Berlin, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart attraktiv. Der Druck auf die Wohnungsmärkte nehme in diesen Regionen überproportional zu. Neben den Effekten der Zuwanderung sei dafür auch der anhaltende Trend zu mehr Single-Haushalten verantwortlich. Während die Zahl der Haushalte bis 2045 in Deutschland insgesamt um 14 Prozent zunehmen werde, steige diese in den wirtschaftsstarken Gebieten um 18 Prozent.

Ein Blick auf die zehn Regionen in Deutschland, in denen die Nachfrage nach Wohnungen langfristig am höchsten sei, zeige, dass diese ihre Bautätigkeit teils massiv steigern müssten; andernfalls würden in den nächsten 15 Jahren weitere 940.000 Wohnungen und Häuser fehlen. Bis 2045 könnten sich die Märkte wieder etwas entspannen, allerdings nur, wenn die Bautätigkeit nicht wieder nachlässt, heißt es in der Pressemitteilung. Die wirtschaftsstarken Regionen sollten deshalb gemeinsam mit ihren benachbarten Regionen Lösungen für die Ungleichgewichte an den Wohnungsmärkten erarbeiten und umsetzen, rät Haueisen.

Hoher Altersdurchschnitt in der Provinz

Aber auch strukturschwache Regionen wie in Ostdeutschland, Nordhessen und im Saarland stünden vor der Herausforderung, die Attraktivität ihrer Standorte bezogen auf das Angebot an Arbeitsplätzen und die Wohnqualität zu erhalten und weiter zu steigern. Städte wie Leipzig, Erfurt und Regensburg hätten gezeigt, dass sich Investitionen in Infrastruktur sowie in Forschung und Hochschulen auszahlten, um sich im Standortwettbewerb zu behaupten. Darüber hinaus müssten sich alle Städte und Gemeinden in Deutschland auf die Bedürfnisse einer immer älter werdenden Bevölkerung einstellen. Das gelte vor allem für die strukturschwachen Gebiete. Dort steige aufgrund der Binnenwanderung der Altersdurchschnitt der Bevölkerung deutlich stärker als in den wirtschaftsstarken Gebieten.