Büßt die BU für das Zinsdilemma?

Versicherungen Top News von Friederike Krieger

Versicherte mit einer Berufsunfähigkeitspolice müssen sich auf empfindliche Beitragssteigerungen gefasst machen, warnen Experten. Die Spanne zwischen Brutto- und Nettobeitrag rückt noch stärker in den Mittelpunkt der Beratung.

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Seit Anfang 2015 können Risikoüberschüsse, von denen die Versicherungsnehmer eigentlich in Form von niedrigeren Prämien profitieren sollen, zur Quersubventionierung von Garantien aus klassischen Lebenspolicen genutzt werden. „Es besteht die Gefahr, dass Kunden mit BU-Policen und anderen biometrischen Versicherungen das Zinsdilemma im Altersvorsorgebereich mitfinanzieren müssen“, warnt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Assekurata.

Während die Überschussbeteiligung bei Lebenspolicen die spätere Rente erhöht, nutzen die Anbieter sie bei BU-Policen, um die Beiträge zu reduzieren. Es gibt einen Bruttobeitrag, den Kunden maximal aufbringen müssten, wenn der Versicherer gar keine Überschüsse erwirtschaftet. Tatsächlich zahlen die Kunden den um die Überschussbeteiligung reduzierten Nettobeitrag. Sinkt der Wert, nähert sich der Nettobeitrag immer stärker dem Bruttobeitrag an.

Geänderte Mindestzuführungsverordnung 
Dass BU-Versicherer die Beiträge erhöhen, ist bisher schon in Einzelfällen vorgekommen. Künftig könnte das aber häufiger passieren. Schuld daran ist die durch das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) erfolgte Änderung der Mindestzuführungsverordnung. Sie sieht vor, dass Versicherer Kunden zu 90 Prozent statt wie früher zu 75 Prozent an den Risikogewinnen beteiligen müssen. Risikogewinne bilden in der Anwartschaftsphase der BU-Versicherung, also wenn der Leistungsfall noch nicht eingetreten ist, die Hauptüberschussquelle für die Kunden.

Sie entstehen, wenn weniger Kunden berufsunfähig werden, als der Versicherer bei Vertragsschluss angenommen hat. Im Gegenzug für die höhere Beteiligung an den Risikogewinnen mussten die Kunden eine dicke Kröte schlucken: Der Gesetzgeber hat den Versicherern erlaubt, diese Gewinne zu nutzen, um unzureichende Kapitalerträge in der Lebensversicherung auszugleichen.
Nach Interpretation von Assekurata ist dazu noch nicht einmal die Erlaubnis der Versicherungsaufsicht BaFin erforderlich. „Falls die anzurechnenden Kapitalerträge nicht zur Finanzierung des Garantiezinses ausreichen, kann die Lücke künftig aus anderen Ergebnisquellen ohne weitere Einschränkungen geschlossen werden“, heißt es im LVRG.

Daher sei ist es nur eine Frage der Zeit, bis Lebensversicherer diese Möglichkeit im großen Stil nutzen werden. „Die Anforderungen an die Kapitalanlage nehmen immer weiter zu“, sagt Analyst Heermann. Das Niedrigzinsumfeld macht den Lebensversicherern zu schaffen. Bei Neuanlagen in sichere Bundesanleihen erhalten sie derzeit unter 0,2 Prozent Rendite, haben aber Kunden in früheren Jahren eine Garantieverzinsung von bis zu 4 Prozent zugesagt.

Was BU-Experte und Makler Matthias Helberg zu dem Thema sagt und warum die Finanzkraft der Anbieter eine immer größere Rolle spielt, lesen Sie in der kommenden Printausgabe der procontra.

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