Zinszusatzreserve zeigt Wirkung in Beständen

Versicherungen LV-Check von Robert Krüger Kassissa

Selbst bei Zinsanstieg: weitere Tarifgeneration in Mitleidenschaft

Selbst wenn der für die Berechnung maßgebliche Euro-Zinsswapsatz sprunghaft auf 2,50 Prozent ansteigen würde, wäre Ende 2016 dennoch die fünfte Tarifgeneration (2,75-Prozent-Verträge) von der Zinszusatzreserve betroffen. Bliebe danach der Euro-Zinsswapsatz auf diesem Niveau konstant, müsste ab 2020 eine weitere Generation (2,25 Prozent-Verträge) nachreserviert werden. „Erst ab 2022 würde in diesem Szenario eine derzeit gültige 1,25-Prozent-Generation eingeholt, so dass die Lebensversicherer dann die gesamte heutige Deckungsrückstellung nachreservieren müssten“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. Da die Zinsperspektive im Euroraum allerdings pessimistisch bleibt, bleibt auch der Nachreservierungsbedarf über alle betroffenen Tarifgeneration hoch. „Wir rechnen für 2016 mit einer weiteren Zuführung zur Zinszusatzreserve von etwa zwölf Milliarden Euro“, prognostiziert Heermann.


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Gebrauch von Storno- und Kapitalwahlwahrscheinlichkeiten

Die Höhe der Zuführung ist neben der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt aber von weiteren Faktoren abhängig. Denn Unternehmen könnten sich auch entschließen, bei der Berechnung der Zinszusatzreserve Storno- und Kapitalwahlwahrscheinlichkeiten anzusetzen. Auf diese Möglichkeit habe die BaFin im Oktober 2015 hingewiesen. Denn wenn ein Teil der Kunden den Vertrag vorzeitig storniert beziehungsweise am Ende der Ansparphase die Kapitalleistung abruft, wäre weniger Zinsvorsorge notwendig. „Sofern Lebensversicherer die Wahrscheinlichkeiten realitätsnah bei der Zinszusatzreserve berücksichtigen, ist dies aufsichtsreich nicht zu beanstanden“, erklärt Heermann. „Hierdurch wird den Anbietern der Aufbau der Zinszusatzreserve etwas erleichtert, was allerdings nicht flächendeckend genutzt wird.“

Laut Assekurata haben einige Studienteilnehmer bereits in 2015 davon Gebrauch gemacht. Sie erreichten dadurch in der Spitze eine Entlastung von bis zu einem Drittel gegenüber der Reservezuführung ohne Storno- und Kapitalwahlwahrscheinlichkeiten. „Im Gegenzug haben Unternehmen, die auf den Ansatz von Storno- und Kapitalwahlwahrscheinlichkeiten verzichten, noch einen höheren Sicherheitspuffer für künftige Reservebedarfe“, sagt Dr. Will.


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