Zinstief trifft auch BU-Versicherte

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Assekurata: Teilkollektiv der Berufsunfähigkeitskunden springt für Teilkollektiv der Altersvorsorgekunden ein. Finanzkraft des Produktgebers erhält größere Relevanz.

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Das anhaltend niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten trifft auch die Inhaber einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn die Anbieter dürfen zu Gunsten der Risikotragfähigkeit des Gesamtunternehmens ein negatives Anlageergebnis mit einem positiven Risikoergebnis oder übrigen Ergebnis (quer) verrechnen. Hierauf weist die Kölner Rating-Agentur Assekurat in einem Pressetext anlässlich der Fertigstellung einer Studie zur Finanzkraft in der Berufsunfähigkeitsversicherung hin. Gerade in der BU-Versicherung entstünden durch vorsichtig angesetzte Rechnungsgrundlagen hohe Risikoüberschüsse. Marktweit lägen sie bei rund 30 Prozent der Prämie. Diese fließen über die Überschussbeteiligung, in der Regel in Form eines Sofortrabatts auf die Prämie, zum Großteil an die Kunden zurück, schreibt die den Produktgebern nahestehende Agentur.

Netto- und Bruttoprämie beachten

Anhand eines durchschnittlichen Vertrages in der selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung lasse sich dies verdeutlichen. Dazu Assekurata: „2014 betrug die kalkulierte Brutto-Bestandsprämie hier etwa 831 Euro. Bei einem Sofortrabatt aus Risikoüberschüssen von 30 Prozent ständen im Fall einer vollständigen Absenkung der Überschussbeteiligung insgesamt etwa 250 Euro an rabattiertem Zahlbeitrag unter Risiko. „Der grundsätzliche Rat für Kunden und Vermittler, bei Preisvergleichen in der BU-Versicherung neben der Nettoprämie stets auch die Bruttoprämie im Auge zu haben, erhält durch die Möglichkeit zur Querverrechnung im angespannten Zinsumfeld eine zusätzliche Relevanz“, betont Bereichsleiter Analyse der Assekurata und Mitautor der Studie Lars Heermann. (Hierauf hat jüngst gegenüber procontra auch Makler Matthias Helberg hingewiesen.)

Negatives Kapitalanlageergebnis realistisch

Die Überschussbeteiligung von BU-Verträgen unterliege nicht nur dem Risiko einer unzulänglichen Kalkulation. Auch im Fall einer ausreichenden Kalkulation der Beiträge bestehe für BU-Versicherte das Risiko, zur Verlustdeckung bei nicht ausreichenden Kapitalanlageerträgen implizit herangezogen zu werden. „Faktisch würde das bedeuten, dass das Teilkollektiv der BU-Kunden für das Teilkollektiv der Altersvorsorgekunden einspringt“, wird auch Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will in der Pressemitteilung zitiert. Dass ein negatives Kapitalanlageergebnis keineswegs aus der Luft gegriffen ist, belege die Tatsache, dass 2014 im Branchendurchschnitt das reine Zinsergebnis, das heißt, die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen abzüglich der Garantiezinsanforderungen und der Zinszusatzreserve, bereits negativ war. Erst durch Auflösung von Bewertungsreserven, die in das übrige Kapitalanlageergebnis eingehen, sei dies kompensiert worden. Dieses Vorgehen berge jedoch, ähnlich wie ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen, die Gefahr, dass die Substanz der stillen Reserven zurückgeht. Hierdurch nehme die Wahrscheinlichkeit negativer Kapitalanlageergebnisse zu. Verantwortlich dafür seien vor allem die weiter steigenden Aufwendungen für die Zinszusatzreserve.

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