Riester oder Lotto, ist das hier die Frage?

Versicherungen Top News von Ingo H. Lorenz

Nachdem der Versicherungsberater Uwe Redler sich Ende 2015 die Rürup-Rente vorgenommen hatte - procontra berichtete - widmet er sich nun der Riester-Rente. Ein Plädoyer für die Riester-Rente vom Hannoveraner Versicherungsmakler Ingo H. Lorenz.

Foto: Ingo H. Lorenz, Versicherungsmakler aus Hannover

Der Hannoveraner Versicherungsmakler Ingo H. Lorenz vertritt wieder einmal wie zahlreiche Branchenkollegen eine andere Position zu den Ausführungen von Finanzberater Uwe Redler in der Zeitschrift „Capital“ vom 27.01.2016 mit der Überschrift „Lotto spielen statt Riester“.

Auch hier lohnt sich für den Riestersparer und für alle die es noch werden wollen, ein genauer Blick auf die Behauptungen und Pauschalierungen des Uwe Redler. Als da wären:

„Tatsächlich können die Anbieter von Riester-Tarifen ihre Konditionen während der Laufzeit (!) anpassen.“ Gemeint ist die Treuhänderklausel: Ja, es gab und gibt Anbieter, welche diese Möglichkeit in ihren Bedingungen vorsehen - und nein, deshalb auf die Gesamtheit zu schließen ist schlichtweg falsch! Seit Einführung der Riesterrente im Jahr 2002 haben hier Vermittler, Verbraucherschützer auf die  Anbieter eingewirkt und diese haben nachgebessert. Diese Tatsache verschweigt das „Mitglied im Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen“.

„So gibt es Tarife, die sowohl das Vorziehen der Rente zum 60. Lebensjahr ermöglichen als auch eine Mindestrente garantieren – allerdings nur getrennt voneinander.“ Au weia! Richtig ist, dass diese Möglichkeit für Verträge mit Abschluss bis 31.12.2011 bestand - seit dem 01. Januar 2012 gilt das 62. Lebensjahr als Grenze! Und wieder entsteht der Eindruck der Verallgemeinerung - tatsächlich hat auch hier der Markt seit 2013 zum Wohle der Riestersparer gewirkt und für die positive Anpassung der Bedingungen bei zahlreichen Anbieter gesorgt. Und überhaupt, der Autor scheint kein Freund des Studiums von Bedingungswerken zu sein. Sonst wäre ihm aufgefallen - und damit auch seinen Lesern, dass es wie im richtigen Leben nicht "DIE Riester-Rente" gibt. Aber das mit der "eierlegenden Wollmilchsau" hatten wir ja schon mal...

„Die hochgepriesene Flexibilität funktioniert nur – wie schon erwähnt – wenn Sie draufzahlen: Die Versicherer verlangen Geld von Ihnen, wenn Sie den Anbieter wechseln oder die Auszahlung der Riester-Rente vorverlegen wollen. Wenn Sie Ihre Beiträge aus bestimmten Gründen reduzieren wollen, bekommen Sie nichts von der Vermittlerprovision zurück – denn diese wird auf der Basis der höheren Einzahlungen berechnet.“ Auch hier gilt - wer als Vermittler vorher liest und vergleicht, ist klar im Vorteil - und bietet nur Lösungen an, die dies Verbraucher freundlich lösen. Alternativ kann der Kunde auch die sog. Vermittlung gegen Gebühr in einen Nettotarif ohne Abschlusskosten wählen - dann zahlt er wie beim Anwalt, Architekt oder Steuerberater auch nur die Beratungsleistung - wie schon in seinem Rürup-Beitrag unterschlägt der Autor auch im Riester-Artikel diesen für den Kunden wichtigen Hinweis - ganz abgesehen davon, dass auch die Vermittlung gegen Courtage Rabatt-fähig ist.

„Ein weiterer Nachteil ist, dass die Auszahlungen und laufenden Rentenzahlungen voll steuerpflichtig sind. Sollten Sie Ihren Hauptwohnsitz einmal ins Ausland verlagern wollen, müssen Sie sämtliche Steuervorteile und Zulagen komplett zurückzahlen.“ Bedauerlicher Weise führt der Autor auch hier die Leser in die Irre: Richtig ist: ... „Während die Einzahlungen zunächst steuerlich gefördert werden, müssen die Auszahlungen versteuert werden („nachgelagerte Besteuerung“)... In der Regel wird dieses Einkommen niedriger sein, als noch im Job. So wird auch die Steuerbelastung geringer sein als während des Erwerbslebens.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass aus der Steuerpflicht eine tatsächliche Steuerlast würde, ist in diesem Fall eher gering - zumal Freibeträge, wie der tendenziell steigende Grundfreibetrag und die über die Anspardauer nicht vorhersehbare Gesamtsituation im Rentenalter berücksichtigt werden müssen. „Früher verlangte der Staat seine Förderung zurück, wenn Riester-Sparer dauerhaft ins Ausland ziehen. Tatsache ist: „Sparer, die im EU-Ausland leben, müssen aber jetzt keine staatliche Förderung zurückbezahlen.“ Sparer, die in Deutschland arbeiten, aber nicht hier wohnen, erhalten ebenfalls Riester-Zulagen.“ Quelle: Info-Portal der DRV-Bund: ihre-vorsorge.de, Autor: Michael John vom 31.03.2012

Fazit:
Riestern und Lotto unterscheiden sich dann doch noch erheblich. Denn im Gegensatz zu Ihrem Lottoeinsatz erhalten Sie für Ihre Investition in die Riester-Rente Zulagen und Steuervorteile verbunden mit der Garantie, dass Ihre Investition zum Rentenbeginn mindestens zur Verfügung steht. Beim Lotto freut sich vor allem der Betreiber und der jeweilige Finanzminister. Die Riester-Rente ist also von Fall zu Fall ein wichtiger und richtiger Lösungsbaustein - für eine Vielzahl von Förderberechtigten - nach einer fundierten Bedarfsermittlung.