Pools sehen sich nicht als „Hilfs-Sheriffs“

Berater Top News von Michael Fiedler

Welche Gründe sehen Pools, die Mannheimer Erklärung zu unterstützen und wie soll die Einhaltung der Vorgaben überwacht werden? procontra fragte bei den Unterzeichnern nach.

Ortwin Spies, Prokurist degenia Versicherungsdienst AG
Obwohl das Provisionsabgabeverbot (PAV) weiterhin in Kraft ist, bewegen wir uns in einer rechtlichen Grauzone. Bis das endgültige „Schicksal des PAV“ feststeht, strengt die BaFin deshalb auch keine Verfahren gegen Vermittler an, die Provisionen ganz oder teilweise weitergeben.Einige sog. FinTechs versuchen aber bereits in der Praxis, Provisionen oder Gutscheine etc. an Neukunden „zurückzugeben“. Dies kann sich unser „Vertriebspartner von nebenan“, der klassische Versicherungsmakler, aber nicht leisten. Denn er hat in der Regel nicht die finanziellen Ressourcen auf die ihm zustehende Courtage ganz- oder teilweise zu verzichten. Unserer Meinung nach ist eine gute Kundenberatung zum Nulltarif nicht möglich und auch nicht wünschenswert: „Mögliche Kunden sollten nicht mit Rabatten oder Sondervergünstigungen der Vermittler, sondern mit dem besten Versicherungsangebot überzeugt werden“, so A. Wehling, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung.
 

In der Mannheimer Erklärung wenden sich Pools und der AfW gegen Unternehmen, deren Geschäftsmodell und Werbung ausschließlich auf dem Versprechen von Provisionsabgabe oder des Auslobens sonstiger Vergütungen für den Abschluss eines Versicherungsvertrages an den Kunden ausgerichtet ist. procontra fragte bei den Unterzeichnern nach, warum sie die Erklärung unterstützen, welche Erfahrungen sie mit „Provisionsabgebern“ haben und wie die Einhaltung der Mannheimer Erklärung überwacht werden soll.

Während Norbert Porazik von Fonds Finanz derzeit keine Anbieter bekannt sind, deren Geschäftsmodell vollständig den in der Erklärung genannten Kriterien entspricht, wird Ortwin Spies von Degenia deutlicher:
„Nachdem wir ein Geschäftsmodell und die ‚technische Praxis` bei sogenannten Bestandsübertragungen per Maklervollmacht mit ‚Pseudo-Online-Kunden-Unterschrift‘ genauer untersucht haben – inklusive telefonischer Rückfrage bei angeblich wechselwilligen VN – wurde die Anbindung an friendsurance/Alecto GmbH von unserer Seite gekündigt. Allerdings hat jetzt ein anderer Pool unsere Funktion übernommen.“

Spies sagte gegenüber procontra, dass die Formulierung „ausschließlich“ besser durch „überwiegend“ ersetzt werden sollte. In der Praxis werde kaum ein FinTech in der Lage sein, zu 100 Prozent auf Courtage / Provision zugunsten des Versicherungsnehmers zu verzichten.

Seite 1: Degenia kündigte friendsurance
Seite 2: Pools sind keine Hilfs-Sheriffs

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