Niedrigzinspolitik der EZB: „Kartell der Schuldner“

Berater Top News von Michael Fiedler

Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler fand deutliche Worte zur Niedrigzinspolitik der EZB. Gegenüber dem Focus sprach er von einem „Kartell der Schuldner“, das die Zentralbanken zu Gefangenen der Politik mache. Auch in der Bevölkerung findet die Niedrigzinspolitik der EZB keine Zustimmung.

Die Niedrigzinspolitik der EZB ist kein taugliches Mittel, um den Problemen im Euro-Raum zu begegnen – dieser Aussage stimmen 46 Prozent der für eine Anleger-Studie der Gothaer Befragten zu.
In Anbetracht der anhaltend niedrigen Zinsen finden es 59 Prozent der Bundesbürger schwierig, ihre Ziele bei der Altersvorsorge zu erreichen. Für 32 Prozent ist sogar noch schwieriger geworden.

Kein Ende der niedrigen Zinsen in Sicht

Eine Änderung der Niedrigzinspolitik sei nicht zu erwarten, so Dr. Michael Menhardt, Chefökonom der Munich Re (procontra berichtete: Trotz Niedrigzins Vorsorge betreiben).
Hans-Jörg Schaefer, Vorstandschef der Volksbank Rhein-Wupper, forderte in der Rheinischen Post ein Ende der niedrigen Zinsen. Spareinlagen würden durch die niedrigen Zinsen entwertet und das eigentliche Ziel sei verfehlt. Die niedrigen Zinsen „[…] sollten ja das Wirtschaftswachstum, die Inflation, vorantreiben“, sagte er: „Aber die Inflationsrate stagniert, die Betriebe sind bei Kreditaufnahmen eher zögerlich, wie wir feststellen“, so der Bankmanager.

Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler sagte gegenüber dem Focus, dass er nicht daran glaube, dass diese EZB-Politik noch lange weiterhelfen könnte. „Wir haben es mit einem Kartell der Schuldner zu tun, das ist unser Hauptproblem. Indem sie versuchen, die Zinslast tragbar zu machen, machen sich die Zentralbanken zu Gefangenen der Politik.“
Der Bankiers warnte vor den Folgen einer dauerhaften Niedrigzinspolitik: „Wenn in vielen Ländern Europas Altersvorsorgesysteme auf Dauer nicht mehr funktionieren, ist das ein gesellschaftliches Problem“, warnte Müller. „Wenn viele Menschen das Gefühl bekommen, diese Europäisierung geht zu ihren Lasten, birgt das erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff.“

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