Forderung nach Abschaffung der Riester-Rente

Versicherungen Top News von Robert Krüger Kassissa

Seltene Einigkeit unter sonst sehr unterschiedlich argumentierenden Wirtschaftswissenschaftlern: Die Riester-Rente soll weg. Die Gründe dafür und was stattdessen kommen soll.

Foto: Walter Riester, © procontra

Bundesbürger haben im europäischen Vergleich nur geringe Privatvermögen, deshalb fordern nun führende Wirtschaftswissenschaftler die Riester-Rente abzuschaffen. Die staatlich subventionierte Riester-Rente solle durch andere Formen der Sparförderung ersetzt werden, das berichtet Spiegel online.

„Die Riester-Rente ist hochgradig ineffizient; ein Großteil der Beiträge geht für Verwaltung und Provisionen drauf“, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW) dem Spiegel. Bei solchen Forderungen ist immer zu beachten aus welcher Ecke sie kommen. Denn der DIW ist seit Jahren als Riester-Kritiker bekannt.

Aber auch andere Ökonomen-Institute hauen in diese Kerbe. Die private Altersvorsorge hierzulande sei grundlegend falsch aufgestellt, so der designierte Chef des ifo-Instituts und Nachfolger von Hans-Werner Sinn, Clemens Fuest. „Wir subventionieren durch die Riester-Rente die Ersparnisse von Leuten, die sowieso sparen. Es ist eine Umverteilung zugunsten der Gutverdienenden und Finanzdienstleister“.

Die Alternative zur Riester-Rente

Als Ersatz für die Riester-Rente ist ein „Schäuble-Bond“ im Gespräch. Der Würzburger Ökonom Peter Bofinger präzisiert diese Anleihe gegenüber Spiegel online: „eine Staatsanleihe mit ein bis zwei Prozentpunkten Zinsaufschlag, aber nur für Sparer, die in diese Anleihe für die private Altersvorsorge investieren.“ Und DIW-Chef Fratzscher schaut in die USA: „Dort erhält jeder Arbeitnehmer attraktive staatliche Anreize, aber er kann weitgehend selbst bestimmen, wie er die Vorsorge gestaltet.“

Überraschend bei diesem Vorstoß ist die Anti-Riester-Stimmung unter den Ökonomen, die sonst eigentlich politisch in unterschiedlichen Lagern stehen: So ist ifo konservativ-liberal, während Bofinger als führender Vertreter einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik gilt.

Der Spiegel erwähnt zudem eine noch unveröffentlichte Studie der Bundesbank, welche besagt, dass das Nettovermögen des mittleren deutschen Haushalts deutlich unter dem Durchschnitt anderer westeuropäischer Länder liegt. Auch die Eurokrise der vergangenen Jahre habe daran nichts geändert. Die Bundesbank bestätige damit eine ältere Untersuchung der Europäischen Zentralbank, wonach der mittlere Haushalt in Deutschland über deutlich geringeres Vermögen verfügt als die entsprechenden Haushalte in Frankreich, Spanien oder Italien.

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