Dirk Müller: „Da braut sich ein Sturm zusammen“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Annika Janßen

Müller: Nun, schauen wir uns einmal die Wachstumszahlen an. Nach offiziellen Angaben wächst Chinas Wirtschaft zwar nicht mehr so rasant wie noch vor ein paar Jahren, aber immerhin noch um 6,5 Prozent pro Jahr. Diese Wirtschaftsdaten sind meines Erachtens das Papier nicht wert, auf dem sie stehen – und hinter den Kulissen ist das bei vielen Experten der Finanzbranche auch Konsens. Pessimisten sehen China bereits in der Rezession, Optimisten gehen von einem realen Wachstum zwischen vier und fünf Prozent aus. In den zurückliegenden Jahrzehnten ist so viel Geld in China geflossen, es wurde investiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit dem Resultat, dass da nun komplette Gebäude leer stehen, Autobahnen ins Nirgendwo führen. Jetzt wird wieder massiv Kapital abgezogen. Chinas Währungsreserven sind inzwischen massiv um 700 Milliarden US-Dollar auf 3,3 Billionen gesunken, allein im Dezember vergangenen Jahres um 108 Milliarden US-Dollar. Das kann nicht lange gut gehen – und ich bin gespannt, wann die Konjunkturprogramme der chinesischen Regierung nicht mehr helfen.

procontra: Sie zeichnen ein ziemlich düsteres Bild der derzeitigen Lage. Gibt es denn auch Lichtblicke im Jahr 2016?

Müller: Letztlich kann natürlich keiner in die Zukunft schauen. Ich halte das Negativszenario – also einen Crash im Jahresverlauf – zwar für recht wahrscheinlich. Aber es kann auch ganz anders kommen, es kann positive Überraschungen geben. Als Investor darf man weder Optimist noch Pessimist sein, man muss Realist bleiben.

procontra: Wie gehen Sie selbst als Investor mit Börsenschwankungen um?

Müller: Es gibt keine schlechten Zeiten an der Börse. Fallende Kurse sind für mich genauso gut wie steigende. In Zeiten fallender Märkte lassen sich tolle Unternehmen mitunter zu Spottpreisen erwerben. Und wenn die Aktien im eigenen Depot in solchen Zeiten verlieren, verkaufe ich sie auch nicht – das wäre ja Blödsinn. Aber ich halte es für elementar, das Depot in riskanten Phasen wie diesen mittels Optionen gegen Kurseinbrüche abzusichern.

procontra: Sie haben vor nicht allzu langer Zeit einen eigenen Fonds aufgelegt. Ist das quasi ein „Must Have“ als Börsenprofi?

Müller: Nach 25 Jahren als Börsenhändler fand ich es gar nicht so ungewöhnlich, einen eigenen Fonds aufzulegen. Ich betrachte das eher als logische Konsequenz. Der ausschlaggebende Grund war allerdings, dass ich mein eigenes Geld investieren wollte – und keinen einzigen Fonds gefunden habe, der meinen Ansprüchen genügt. Außerdem wäre es extrem zeitaufwendig, das Portfolio allein zu verwalten. Deshalb habe ich im April 2015 den Dirk Müller Premium Aktien (ISIN: DE000A111ZF1) aufgelegt. Der Fonds investiert in 40 Top-Aktien und Absicherungen, ist für Privatanleger gedacht und funktioniert so, wie ich es als Anleger haben wollen würde. Ich bin von dem Konzept überzeugt – deshalb steckt auch mein Vermögen in dem Fonds.

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