Was Helberg zur GDV-BU-Statistik sagt

Versicherungen Top News von Robert Krüger Kassissa



Auch hinsichtlich der GDV-Einschätzung, dass fast jeder, der sich gegen Berufsunfähigkeit absichern möchte, auch ein entsprechendes Angebot bekäme, stimmt Helberg skeptisch. Denn wenn aus 823.000 eingereichten Anträgen 776.000 Versicherungsangebote resultieren, dann sind darunter auch solche mit irrwitzigen Zuschlägen oder mehrfachen Leistungsausschlüssen. Besser wäre das Verhältnis von gestellten Anträgen zu zustande gekommenen BU-Verträgen.

Daraufhin kontert Peter Schwark vom GDV per Kommentar auf der Helberg-Seite: „Zu Ihrem Wunsch nach dem Verhältnis von gestellten Anträgen zu zustande gekommenen Verträgen möchte ich darauf hinweisen, dass diese Quote wenig aussagekräftig ist. Es kommt häufiger vor, dass ein Kunde mehrere Anträge stellt, um sich dann das für ihn beste Angebot auszusuchen. Am Ende wird eben nur ein Vertrag abgeschlossen, obwohl vielleicht mehrere Versicherer den Kunden gerne absichern würden. Die einzige Quote, die eine saubere Aussage zur Absicherungsbereitschaft der Versicherer liefert, ist angesichts dieser Situation unsere.“

Berufsgruppenbingo der BU-Versicherer

Die Statistik gibt auch keine Auskunft darüber, was mit den Verbrauchern ist, welche wegen erheblicher Vorerkrankungen gar keinen Antrag stellen oder die Risikovoranfrage eine Ablehnung signalisiert. Gleiches gilt für die Berufsgruppen, die sich durch das Berufsgruppenbingo der BU-Versicherer eine Absicherung gar nicht mehr leisten können. „Natürlich kann der GDV dazu keine Zahlen nennen, woher sollte er diese haben? Man könnte die vorliegenden Zahlen aber sicherlich aussagekräftiger darstellen und kommentieren“, schlägt Helberg vor.

Dazu kommentiert Schwark: „Eine Reihe Anträge werden prophylaktisch gestellt und erledigen sich z.B. durch Verbesserung der Gesundheit oder Veränderungen im Beruf, werden ergo wieder zurückgezogen oder nicht weiterverfolgt. In wieder anderen Fällen liegen die Leistungsvoraussetzungen nicht vor. Eine gewisse Rolle spielen zuletzt auch Verletzungen der vorvertraglichen Anzeigepflicht, wenn etwa gravierende Vorerkrankungen bei Vertragsschluss verschwiegen wurden.“ Und er zieht den Vergleich zur gesetzlichen Erwerbsminderungs-Rente (EM): „In der gesetzlichen Rentenversicherung wurden 2014 etwa 344.000 Anträge auf EM-Rente entschieden. Davon wurden nur knapp 183.000 bewilligt. Das sind nur wenig mehr als 50 Prozent, 145.000 Anträge wurden abgelehnt, etwa 16.000 ,erledigten’ sich anderweitig.“

Der Makler hält die Nennung konkreter Zahlen seitens GDV generell für löblich. Aber mehr Vertrauen in die Branche und ihre Leistungsfähigkeit würde entstehen, wenn die Zahlen auch wirklich das ausdrücken, was für Kunden und Öffentlichkeit wichtig ist. „Vertrauen erweckt man nicht durch Schönrednerei. Und die Branche hat sie auch nicht nötig“, resümiert Helberg.

Seite 1: BU-Antragsbearbeitung
Seite 2: BU-Annahmequote

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare