Versicherungsbedingungen sind meist unverständlich

Versicherungen von Michael Fiedler

Der Stempel "unverständlich" müsste, sofern es ihn gäbe, als Warnung auf vielen AVB der Versicherer prangen, so ein Ergebnis der 4. Verständlichkeitsstudie von AMC und Communication Lab.

Fotolia / mopsgrafik

Vor fast drei Jahren wurde die Verständlichkeitsstudie zum ersten Mal durchgeführt. Doch von einer positiven Entwicklung hinsichtlich der Verständlichkeit Allgemeiner Versicherungsbedingungen kann keine Rede sein.
Das verwundert, denn der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) verpflichtet die Versicherer in seinem Verhaltenskodex zu verständlichen Produktdarstellungen - und die AVB gehören hier dazu.
Viel zu oft werde die Ausrede benutzt, dass an den juristischen Formulierungen nicht gerüttelt werden dürfe, so der AMC in einer Meldung zur Studie.

Zu den Verständlichkeitsbarrieren in Versicherungsbedingungen gehören: zu lange Wörter, Schachtelsätze und auch die viel zu hohe Informationsdichte.
Bis auf wenige Ausnahmen sind sämtliche AVB von (viel) zu langen Sätzen (mehr als 20 Wörter) bestimmt. Da lässt sich dann auch schon mal ein Satz mit 69, 88 oder gar 116 Wörtern finden. Ein Beispiel?
Erlangt der Versicherer unabhängig von einem Schadenfall Kenntnis von Abweichungen im Sinne von Nr. 1 und Nr. 2, so hat der Versicherungsnehmer für die laufende Versicherungsperiode sowie maximal zwei vorhergehende Versicherungsperioden die Differenz der gezahlten Jahresbeiträge zu den bei betreffenden Angaben erforderlichen Jahresbeiträgen und die Differenz zwischen der vereinbarten Selbstbeteiligung und der Selbstbeteiligung, die vereinbart worden wäre, wenn die tatsächlichen Verhältnisse bei Vertragsabschluss dem Versicherer bekannt gewesen wären, nachzuzahlen. [69 Wörter]

Besser wäre es, so die Studienautoren, mehrere eigenständige Sätze zu nutzen.

Dass Versicherungsbedingungen auch in verständlicher Sprache möglich sind, würden die AVB der Allianz, Basler, DKV, ERGO und HUK 24 erkennen lassen, so die Studie.

Zur Studie

Um die Verständlichkeit von Texten objektiv und nach wissenschaftlichen Methoden zu messen, wird der von der Universität Hohenheim entwickelte Hohenheimer Verständlichkeits-Index genutzt.
Mehr zur Studie: www.amc-forum.de/content/studien/details.php?id=1633

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