„Nicht versuchen, aus der Panik einen Vorteil zu ziehen“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Matthias Hundt

procontra: Stimmen Sie - auch angesichts niedriger Zinsen – der Prämisse „Ohne Risiko keine Rendite“ zu?

Ho: Wenn eine Messlatte der Tracking Error und die andere die Fondspreisschwankung ist, dann würde ich für den chinesischen Markt sagen: kein Risiko, keine Performance. Das hängt damit zusammen, dass die Benchmark vor allem aus großen und ineffizienten staatlichen Unternehmen in den Branchen Banken und Schwerindustrie besteht. Diese haben sich alle schlecht entwickelt und das wird so bleiben, da die strukturellen Reformen Chinas andauern. Die einzige Chance, in einer  komplexen und sich schnell wandelnden Volkswirtschaft wie China zu gewinnen, ist das Aufspüren von kleinen, beweglichen, zuverlässigen Firmen. Von kommerziellen Firmen, unternehmerisch ausgerichteten Firmen, die Chancen erkennen und diese auch nutzen. Das größte Risiko des Nestor Fernost ist ein unternehmensspezifisches Risiko. Einige der Firmen im Portfolio könnten in dem Prozess, neue Chancen auszuschöpfen, scheitern. Dieses Risiko können wir durch Streuung vermeiden.  

procontra: Wie bewerten Sie die aktuelle Marktlage in China und das chinesische Finanzsystem insgesamt - wo liegen die Risiken für Investoren?

Ho: Die wirtschaftliche Situation in China ist komplex. Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich aufgrund der strukturellen Reformen und es sind schmerzhafte Einschnitte nötig, wenn es um Reformen im Finanzsektor geht. Das verunsichert die Investoren. Vorausgesetzt, dass Chinas Botschaft klar ist, untermauert durch entsprechendes Handeln der Regierung, wird der Markt den fairen Wert der Unternehmen früher oder später reflektieren. Das derzeitige Risiko besteht allerdings darin, dass Strategieänderungen und deren Kommunikation keine klare Botschaft vermitteln oder sich mitunter sogar widersprechen. So herrscht momentan zwangsläufig Panik im Markt.  

procontra:  Welche Erwartungen haben Sie für 2016 und wie richten Sie Ihr Portfolio entsprechend danach aus?

Ho: Aus der Erfahrung mit ähnlichen Marktsituationen heraus ist es am besten, ruhig zu bleiben und sich normal zu verhalten. Sprich, nicht zu versuchen, aus der Panik einen Vorteil zu ziehen, sich ihr aber auch nicht anzuschließen. Wir bleiben unserem thematischen Ansatz treu und optimieren das Portfolio hinsichtlich der Bewertung. Meine Jahresaufgabe  ist es, die Unternehmen mit  hohen Gewinnen aufzuspüren.    

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