Grunderwerbssteuer verhindert Neubauten

Sachwerte von Michael Fiedler

In Deutschland fehlen 800.000 Wohnungen – vor allem fehlen bezahlbare 1-2-Raum-Wohnungen in den Ballungsgebieten. Das IW Köln macht die bestehenden Regelungen zur Grunderwerbssteuer für den Missstand mitverantwortlich.

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In den Kommenden fünf Jahren müssen 400.000 Wohnungen gebaut werden – pro Jahr. Das ergab eine Studie des Pestel-Instituts.
Die Verbände und Organisationen der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ fordern angesichts dieser Zahlen die Verdopplung der AfA (Absetzung für Abnutzung). Die technische Nutzungsdauer der Gebäude habe deutlich abgenommen, wird argumentiert. Zudem sei eine Sonderabschreibung für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Ballungsgebieten dringend erforderlich.
Diese Anpassungen seien notwendig, um insbesondere private Investoren für den Wohnungsneubau zu motivieren.

IW Köln: Grunderwerbssteuer verhindert Wohnungsbau

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt auf, wie die Grunderwerbssteuer den Handel mit Wohnungen bremst und Neubauten verteuert: Bei jedem Handel ein Aufschlag fällig und teilweise würde mehrfach Grunderwerbssteuer fällig, so die Forscher. Die Mehrfachbelastung durch Grunderwerbssteuer würde beispielsweise dann fällig, wenn ein Bauträger ein Grundstück erwirbt, er es bebaut und Eigentumswohnungen weiterverkauft. Inklusive der Umsatzsteuer, die auf Bautätigkeiten fällig wird, liegt die Steuerlast schnell bei über 18 Prozent des Kaufpreises, rechnet das IW Köln vor.

Grunderwerbssteuer: Wichtige Säule der Länderfinanzierung

Für die Bundesländer ist die Grunderwerbssteuer eine wichtige Einnahmequelle: Über 9 Milliarden Euro wurden 2014 durch diese Steuer in die Länderhaushalte eingebracht. Ein weiteres Problem: Die Steuer ist nicht mehr bundeseinheitlich. Außer Bayern und Sachsen hätten alle Bundesländer den Steuersatz auf bis zu 6,5 Prozent erhöht – auch, weil eine Sonderregelung des Länderfinanzausgleichs verhindert, dass die Länder einen Großteil der Mehreinnahmen abgeben müssen.
„Die Politik muss den Anreiz des Länderfinanzausgleichs eliminieren, die Grunderwerbssteuer immer weiter zu erhöhen“, sagt IW-Steuerexperte Tobias Hentze.
„Analog zur Mehrwertsteuer sollte die Bundesregierung einen Vorsteuerabzug bei Neubauten einführen“, ergänzt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Dies, so die Ökonomen, würde die Steuerlast insgesamt senken und die Verzerrungen zwischen Neubauten in Eigenregie und Bauträgermodellen verringern.

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