Wie Allianz die DVAG übernahm

Panorama von Michael Fiedler

17.12.1991: Kriminalbeamte durchsuchen Geschäftsräume der Allianz in 58 Orten. Ermittelt wird wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit und Untreue im Zusammenhang mit der Beteiligung der Allianz an der Deutsche Versicherung AG (DVAG).

Fotolia / Andrey Popov

Am 30.06.1990 endete die Allein-Zulassung für die „Staatliche Versicherung der DDR“. Nur einen Monat später, am 01.07.1990 kooperierte sie mit der Allianz AG aus München. Eine Zusammenarbeit, die aus Sicht der Wettbewerber mindestens fragwürdig erschien. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelte sogar „wegen des Verdachts der Untreue/ der Bestechung / Bestechlichkeit bzw. Vorteilsgewährung“. Am 17. Dezember 1991 durchsuchten Kripo-Beamte und Staatsanwälte die Firmenzentralen in München und Stuttgart.

Für etwa 200 Milliarden Mark sei die staatliche Versicherung, die über Jahresprämieneinnahmen von etwa 7 Milliarden Mark verfügte, aufgekauft worden. Besonders, dass die Altlasten dem Staat „aufgebürdet“ wurden, sorgte für heftige Kritik: „Hier wurde ein Staatsmonopol durch ein Privatmonopol abgelöst und ein ordnungspolitischer Sündenfall ersten Ranges begangen“, wird der Colonia-Vorstandsvorsitzende Dieter Wendelstadt zitiert.

Ganz frei von eigenen Interessen war die Colonia nicht. Sie gehörte gemeinsam mit Nordstern, Württembergische Feuer, R+V und Gothaer zu einem Konsortium, das ebenfalls Interesse an der Übernahme der Deutsche Versicherungs AG (DVAG) angemeldet hatte. Die Vorstände der Fünfer-Gruppe seien in Ost-Berlin allerdings „kühl abgefertigt“ worden, schrieb der Spiegel 1991.

Vorwürfe haltlos - Verfahren eingestellt

Die Vorwürfe, dass die Staatliche Versicherung der DDR unter Wert verkauft worden sei und die Durchsuchung der Allianz-Zentralen sorgte damals für viel Aufsehen. Die Allianz verlautbarte damals, dass es keine Ermittlungen gegen die Allianz gebe, sondern die Ermittlungen richteten sich gegen ehemalige Chefs der DDR-Versicherung.

Einer der Ehemaligen ist Günter Ullrich. Er war stellvertretende Generaldirektor der Staatlichen Versicherung und maßgeblich an den Verhandlungen mit der Allianz beteiligt.
Ullrich verwies in späteren Interviews darauf, dass die Allianz aufgrund ihrer Größe und Finanzstärke der bevorzugte Partner der DVAG gewesen sei. Immerhin seien massive Investitionen - auch in die Weiterbildung von Mitarbeitern - zu tätigen gewesen, die andere Versicherer nicht hätten stemmen können.

Ullrich wurde nach der Übernahme Leiter der Allianz Zweigniederlassung Leipzig - diesen Posten hielt er bis zu seiner Pensionierung 2001 inne.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue und Bestechlichkeit dauerten bis in den Herbst 1992 an und wurden letztlich eingestellt.

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