„Wandelanleihen schützen vor Verlusten“

Investment-Talk Top News von Julia Groth

Beat Thoma, Leiter des Portfoliomanagements bei Fisch Asset Management, erklärt, wie man jetzt am besten in den Aktienmarkt investiert: mit Wandelanleihen.

Beat Thoma, Leiter des Portfoliomanagements bei Fisch Asset

procontra: Herr Thoma, erklären Sie bitte in einem Satz, was eine Wandelanleihe ist.

Beat Thoma: Wandelanleihen sind festverzinsliche Papiere, die man in Aktien desjenigen Unternehmens umwandeln kann, das sie ausgegeben hat. Sie weisen ein ähnliches Kurspotenzial wie Aktien auf, bieten aber durch ihren Kupon einen gewissen Schutz vor fallenden Aktienkursen. Wie hoch das Risiko einer Wandelanleihe ist, hängt von ihrer Aktiensensitivität und von der Bonität des Emittenten ab.

procontra: Das waren drei Sätze, aber Wandelanleihen sind ja auch eine komplexe Anlageklasse. Wissen Anleger, wie die Papiere funktionieren?

Thoma: Wandelanleihen sind nicht hyperkompliziert, aber immer noch erklärungsbedürftig. Die breite Masse hat noch nicht verstanden, welche Vorteile die Papiere bieten.

procontra: Welche denn?

Thoma: Man kann damit indirekt in den Aktienmarkt investieren, also mit einem deutlich geringeren Risiko als bei einem direkten Aktieninvestment. Das ist zurzeit ganz besonders von Vorteil.

procontra: Warum?

Thoma: Die Aktienmärkte laufen vor allem deshalb so gut, weil die Notenbanken sie mit Liquidität fluten. Nutzt sich diese Unterstützung ab, bevor die Konjunktur wieder richtig anspringt, wird es gefährlich. Dann hat man nämlich kein Mittel mehr, um die Märkte zu unterstützen. Dieses Szenario schwebt wie ein Damoklesschwert über Aktienanlegern. Wer Wandelanleihen statt Aktien kauft, profitiert, wenn die Aktienkurse weiter steigen, ist aber vor größeren Verlusten geschützt, falls es abwärts geht.

procontra: Wo finden Sie derzeit interessante Titel?

Thoma: Wir tendieren momentan zu Wandelanleihen aus Japan und Europa, denn dort ist die Geldpolitik besonders expansiv. Wandelanleihen aus den USA finden wir jetzt nicht so interessant. Die US-Notenbank dürfte bald damit beginnen, die Leitzinsen anzuheben.

procontra: Müssen Wandelanleihe-Investoren steigende Zinsen denn fürchten?

Thoma: Die Zinsbewegungen allein können ihnen relativ egal sein. Die Zinssensitivität von Wandelanleihen ist wegen ihrer Aktien-Komponente gering, sie werden bei steigenden Zinsen also nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen wie herkömmliche Anleihen. Auf der anderen Seite profitieren sie auch kaum von fallenden Zinsen. US-Papiere finden wir vergleichsweise unattraktiv, weil die Zinswende der Fed mittelfristig den Aktienmarkt belasten könnte.

procontra: Wie finden Makler passende Wandelanleihen für ihre Kunden?

Thoma: Die meisten Wandelanleihen haben einen Nominalwert von 50.000 Euro oder mehr. Privatanleger können also kaum ein diversifiziertes Einzeltitel-Portfolio aufbauen. Makler sollten zu einem Fonds-Investment raten. Wichtig ist, dass die Struktur eines Wandelanleihefonds zum Risikoprofil des Kunden passt: Zu risikobereiten Anlegern passen Fonds, die in Hochzins-Wandelanleihen investieren oder eine hohe Aktiensensitivität aufweisen. Konservativen Anlegern sollte man dagegen zu Fonds raten, die eine niedrige Aktiensensitivität aufweisen und die Papiere mit guter Bonität im Portfolio haben.

procontra: Woran erkennen Makler, wie aggressiv ein Wandelanleihefonds investiert?

Thoma: Oft deutet der Name bereits auf die Ausrichtung hin. Bei vielen Fonds lässt sich aber tatsächlich von außen schwer sagen, wie hoch ihr Risiko ist. Im Zweifel sollte man beim Anbieter nachfragen.

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