„Verbraucher sollten LV-Verträge überprüfen lassen“

Versicherungen von Robert Krüger Kassissa

Matthias Hartmann, Geschäftsführer der Verbraucherhilfe24, über die weitreichenden Konsequenzen der Rückabwicklung von Lebensversicherungen nach dem Policenmodell, den Unterschied zum Bund der Versicherten und wie Versicherte mehr Ertrag generieren können.

Foto: Screenshot Unternehmensvideo, youtube

procontra: Bitte erklären Sie in kurzen Zügen, was Verbraucherhilfe24 macht.

Matthias Hartmann:
VH24 ist ein Portal für Verbraucherrechte. Es basiert auf der Zusammenarbeit und Vermittlung von Spezialisten im Bereich des Verbraucherschutzes. Gemeinsam ermitteln und archivieren wir bedeutsame Urteile aus dem bankenrechtlichen Bereich und unterstützen Verbraucher durch zielführende Leistungen, ihr Recht und ihr Geld (zurück) zu bekommen.

Wir unterstützen Verbraucher bei der Prüfung vorhandener Verträge durch spezialisierte Anwälte aus Sparten wie z.B. laufende Immobiliendarlehen, laufende sowie gekündigte Lebens- und Rentenversicherungen und schlecht laufenden Fondsbeteiligungen. Aber auch in Sparten wie z. B. Fluggastentschädigungen bei verspäteten oder ausgefallenen Flügen, um nur einige zu nennen.  

Ebenfalls übernehmen wir die komplette Kommunikation mit allen Vertragspartnern und bieten neben Begleitung der Abwicklung die Möglichkeit, dass Kunden die Partneranwälte direkt mandatieren, eine Abwicklung über  eine Rechtsschutzversicherung sowie auch die Kostenübernahme von Anwälten und Gerichten.

procontra:
Wodurch unterscheidet sich Ihre Arbeit von der von Verbraucherschützern wie dem Bund der Versicherten (BdV)?

Hartmann: Zunächst möchte ich die Tätigkeiten von Verbraucherschützern wie BdV oder die Verbraucherzentralen sehr lobend erwähnen, die hier tolle Arbeit leisten, auch weil sie viele Urteile im Sinne des Verbrauchers erstreiten. Der Unterschied zu uns liegt hauptsächlich darin, dass wir ausschließlich direkte Anfragen von Verbrauchern zu bestimmten Themen und Sparten über unsere Partnerkanzleien bearbeiten und nach erfolgter Überprüfung einen Lösungsansatz bieten, den Kunden rechtlich zu begleiten, ohne dass dieser ein Kostenrisiko eingehen muss.

procontra: Laut einer Pressemitteilung des BdV von Mitte November sind über die Hälfte der Widerspruchsbelehrungen bei Lebensversicherungen nach dem Policenmodell mit Abschluss zwischen Mitte 1994 und 2007 falsch. Droht den Lebensversicherern nun eine riesige Klagewelle?

Für die Versicherungsbranche hat das weitreichende Konsequenzen. Laufende Verträge können rückabgewickelt werden, ebenfalls Verträge, die vor langer Zeit bereits gekündigt wurden. Das gleiche gilt für Verträge, die regulär abgelaufen sind. Verbraucher, die mit der Ablaufleistung nicht zufrieden sind, sollten ihre Verträge überprüfen lassen. Eine Rückabwicklung ist in den meisten Fällen die bessere Alternative. Lt. Verbraucherzentrale rechnet die Allianz mit einem Volumen von rund 400 Mrd. für die Versicherungsbranche.

procontra: Sie schreiben auf Ihrer Seite: „Lebens & Rentenversicherer haben zu niedrige Rückkaufswerte ausgezahlt.“ Können Sie dies bitte etwas präzisieren. Gilt das für alle Versicherer? Wie hoch sind die zu niedrigen Rückkaufswerte im Schnitt etc.?

Hartmann: Dies ist eine weitere Möglichkeit, mehr Ertrag aus einer Versicherung zu generieren. Ist die Widerrufsbelehrung richtig, und der Vertrag wurde in den letzten 3 Jahren gekündigt, kommt die die Nachberechnung des Rückkaufwertes ins Spiel. Nach unseren Erfahrungen betrifft dies ungefähr 60 Prozent der Gesellschaften, welche nicht ordnungsgemäß abgerechnet haben. Die zusätzlichen erreichten Auszahlungen - sollte kein Widerspruch möglich sein -  liegen bei ca. 8 – 12 Prozent des bereits ausgezahlten Rückkaufwertes.

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