Mittelständler wollen Pensionswerke schließen

bAV Versicherungen von Stefan Terliesner

Towers Watson: Jeder zweite Mittelständler überdenkt seine Strategie. Jeder Fünfte sieht eigene bAV-Einrichtung kritisch. Große Unsicherheit. Pensionspläne zur Darstellung der bilanziellen Auswirkungen.

Fotolia / Mikael Lever

Infolge der Zinsflaute denkt jedes zweite mittelständische Unternehmen über die strategische Ausrichtung seiner Pensionswerke nach. Im Fokus der Überlegungen steht die Veränderung der Pensionszusagen sowie die Schließung der Versorgungswerke der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Letzteres gelte für knapp ein Fünftel der Unternehmen. Diese Ergebnisse der „Studie zu den Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die bAV im Mittelstand“ hebt die Unternehmensberatung Towers Watson in einer Pressemitteilung hervor.

Nachfinanzierungen vermeiden

Die Niedrigzinsphase betreffe alle Mittelständler mit nennenswerten Pensionsverpflichtungen. Welche Folgen daraus für jedes einzelne Unternehmen entstehen, hänge maßgeblich von der Gestaltung der bAV ab. Towers Watson rät Unternehmen, regelmäßig zu analysieren, welche bilanziellen Auswirkungen sie durch ihre Pensionswerke erwarten können. Pensionspläne seien wichtig, um Nachfinanzierungen zu vermieden, die sogar zu einer Überschuldung führen können.

58 Prozent der mittelständischen Unternehmen würden darauf vertrauen, die Pensionszusagen aus dem laufenden Geschäft finanzieren zu können. Folglich würden sie keine Rücklagen zur Absicherung der Pensionsversprechen bilden. Bei den 42 Prozent der Unternehmen, die Vermögen für die bAV reservieren, seien die Rücklagen jedoch meist gering: In etwa einem Drittel der Fälle lägen die reservierten Mittel unter 25 Prozent des Verpflichtungsvermögens, nicht einmal ein Viertel weise Deckungsquoten von über 75 Prozent auf. Firmen, die verkauft werden sollen, weil der Unternehmer keinen Nachfolger hat, sollten eine Deckungsquote von 100 Prozent anstreben, empfiehlt Towers Watson. Alles andere drücke den Verkaufspreis.

Rechnungszins wird immer kleiner

Die Niedrigzinsphase wirke sich auf Pensionsverpflichtungen aus, weil das Zinsniveau schon lange niedrig ist: Die meisten Mittelständler bilanzieren nach dem Handelsgesetzbuch (HGB), dessen Rechnungszins sich aus den durchschnittlichen Marktzinsen von Unternehmensanleihen mit höchster Bonität der letzten sieben Jahre zusammensetzt, schreibt Towers Watson. Weil seit sieben Jahren Zinsflaute herrsche und in der Berechnung das letzte Jahr mit höheren Zinsen (2008) durch die niedrigen Zinsen von 2015 ersetzt würden, sänke der Rechnungszins in diesem Jahr noch einmal merklich ab. Bei einem niedrigeren Rechnungszins müssten die Unternehmen höhere Pensionsrückstellungen bilden. Das wiederum spiegle sich negativ in der Gewinn- und Verlustrechnung wider.

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