Erbschaft: Immobilienanteil steigt

Berater Top News von Stefan Terliesner

Studie: Bis 2014 hinterlassen Bundesbürger 3,1 Billionen Euro Privatvermögen. Der Immobilienanteil steigt – und damit auch die Komplexität von Erbschaften. In 17 Prozent der Fälle kommt es zum Streit.

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„Warum verfällt dieses eigentlich wunderschöne Haus?“ Im Urlaub an der Nordseeküste fiel Silke Kohlenberg eine Immobilie auf, um die sich offensichtlich niemand kümmert. Also fragte sie den Nachbarn im Garten, was denn der Grund sein könnte. „Erbengemeinschaft“, sagte dieser nur. Mehr nicht. Silke Kohlenberg war sofort alles klar. Solche Fälle kennt sie aus ihrer beruflichen Praxis.

Die Spezialberaterin Vermögen für Generationen bei der Deutschen Bank schilderte ihr Urlaubserlebnis vor der Presse in Köln anlässlich der Vorstellung der Studie „Erben und Vererben 2015“. Das sei ein gutes Beispiel, um das zerstörerische Potenzial einer Erbengemeinschaft zu verdeutlichen, wenn sich die Erben nicht einig sind, was mit dem Nachlass geschehen soll. Denn bei einer Erbengemeinschaft müssen wichtige Entscheidungen einstimmig getroffen werden. Die häufige Folge insbesondere bei Immobilien: Stillstand und Verfall.

Laut Studie ist für einen Großteil der Bundesbürger Erben ein Thema „mit kommunikativen Hürden“. 58 Prozent der Befragten gaben an, sich damit nur ungern zu beschäftigen. 76 Prozent empfinden das Erbrecht als „zu kompliziert“. Gleichwohl sei das Thema von großer Relevanz. „Jeder Zweite erbt“, sagt Silke Kohlenberg. Wobei sich die Aussage auf Bundesbürger bezieht, die bereits eine Erbschaft gemacht haben, dies sind 30 Prozent. Sowie Personen, die in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten eine Erbschaft erwarten (19 Prozent). Zusammen mit den 3 Prozent, die bereits geerbt haben und gleichzeitig eine Erbschaft erwarten, kommen die Studienautoren auf 52 Prozent.

Für die Umfrage hat IfD Allensbach im Auftrag der Deutschen Bank im Juli 1.651 Bürger im Alter ab 16 Jahren befragt. Laut Schätzungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, das zum Deutsche Bank-Konzern gehört, werden in den Jahren 2015 bis 2024 in Deutschland etwa 3,1 Billionen Euro Privatvermögen vererbt. Eine gewaltige Summe. Weil die Vermögensberaterin die gesetzliche Erbfolge für „die schlechteste Möglichkeit“ hält, sollten sich Erblasser und Erben mit den „zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten im deutschen Erbrecht“ auseinander setzen, um frühzeitig Vorkehrungen zu treffen. Vor allem potenzielle Erben würden innerhalb der Familie das offene Gespräch begrüßen. Vorkehrungen treffen bedeute, ein Testament verfassen – mindestens handschriftlich und am besten mit Unterstützung von Rechtsanwälten, Notaren und Steuerberatern. Zudem sollte eine einmal getroffene Regelung regelmäßig auf den Prüfstand, denn sowohl Vermögensverhältnisse als auch familiäre Verhältnisse könnten sich im Laufe der Jahre verändern.

Gesprächsbedarf sei allein deshalb gegeben, weil die Komplexität steige. Zunehmend würden Immobilien vererbt. 58 Prozent der künftigen Erben gingen davon aus, dass sie eine selbstgenutzte Immobilie erben werden. Bei Wertpapieren betrage der Anteil 18 Prozent. Dazu Rechtsanwalt und Steuerberater Lambertus Fuhrmann, Partner bei Flick Gocke Schaumburg: „Sowohl durch die Bewertung der Immobilien als auch durch die Aufteilung unter mehreren Erben werden Erbschaften komplexer.“ Auch für Schaumburg ist der Aspekt Erbengemeinschaft von größter Bedeutung. In Stieffamilien – auch Patchwork-Familien – genannt würden sich immer wieder „unglückliche Konstellationen ergeben“. Dabei seien sich Erblasser und Erben eigentlich einig: Streit soll vermieden werden. Jeweils 77 Prozent der Befragten gaben diesen Wunsch laut Studie an. Vor allem deshalb würden viele Erblasser ihr Erbe regeln. In 17 Prozent der Fälle komme es aber zum Streit.

 

Info: Der (eingetragene) Lebenspartner wird im Erbrecht dem Ehepartner gleichgestellt. Nicht zu den erbberechtigten Personen gehört der (unverheiratete) Lebensgefährte.

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