Drews: „Klassische Garantieprodukte haben ausgedient“

Versicherungen von Michael Fiedler

Welche Erwartungen verknüpfen Versicherer mit dem neuen Jahr? Wo sehen sie Chancen, welche Entwicklungen werden Gestalt annehmen? Markus Drews, Deutschland-Chef der Canada Life, sprach mit procontra darüber.

Markus Drews, Deutschland-Chef der Canada Life

procontra: Welche Bewegungen am Markt erwarten Sie in 2016?

Markus Drews: Ich erwarte – nach 2014 und 2015 - einen noch deutlicheren Shift in Richtung fondsgebundene Policen, sowohl mit als auch ohne Garantien. Auch die Arbeitskraftabsicherung wird sich weiter stark zeigen – auch hier sind wir bestens positioniert.

procontra: Im Bereich der Fondspolicen sind viele neue Produkte auf den Markt gekommen. Wie sehen Sie diese zusätzlichen Wettbewerber?

Markus Drews: Zur Steigerung der Akzeptanz im Markt helfen uns diese zusätzlichen Angebote: die Flut hebt alle Boote. Die alten klassischen Garantieprodukte haben für neue Kunden ausgedient. Der Normalverdiener hat gar keine Chance, mit klassischen Produkten seine Versorgungslücke zu schließen. Diese Erkenntnis reift nun langsam. Wir setzen bereits seit mehr als 15 Jahren auf fondsgebundene Produkte – mit und ohne Garantien.
Für uns ergibt sich durch zunehmenden Wettbewerb die Aufgabe, darauf zu achten, dass unsere Produkte und unser Service top bleiben. So funktioniert Wettbewerb. Insgesamt tut es uns allen gut, wenn der Trend in Richtung moderner fondsgebundener Produkte geht.

procontra: Digitalisierung in der Versicherungsbranche – was bedeutet das eigentlich?

Drews: Im Moment scheint das Wort Digitalisierung alles und nichts zu bedeuten. Ich glaube, im Kern steht eine veränderte Kommunikation mit Kunden und Vermittlern dahinter. Tablet und Smartphone haben unser Leben doch schon deutlich verändert. Man steuert damit die Stereoanlage zu Hause, braucht keine Fernsehzeitung in Print, man verfügt immer über seine Mails - eine ganz andere Kommunikation.

Für die Branche bedeutet das aus meiner Sicht:

  1. Wir müssen die Grundlage dafür schaffen, überhaupt mit Digitalisierung zu beginnen. Wir haben enorme Datenmengen auf nicht immer modernen Verwaltungssystemen. Das erfordert Investitionen in die bestandsführenden Systeme.
  2. Dann kann man die neuen Möglichkeiten nutzen, um Kunden anders anzusprechen und mit neuen Kommunikationsmitteln zu überraschen

Kundenkommunikation in der Versicherungsbranche kann man aber nicht mit Online-Banking gleichsetzen, wo man jeden Tag seinen Kontostand online einsehen kann. Wir werden noch Möglichkeiten haben, Neues auszuprobieren.

procontra: Wie wollen Sie zukünftig mit Vermittlern kommunizieren?

Drews: Wie es den hybriden Kunden gibt, gibt es auch den hybriden Makler. Das bedeutet, dass alle möglichen Kommunikationswege bedient werden sollten. Man kann es sich nicht leisten, etwas schleifen zu lassen. Und die besondere Herausforderung dabei: Makler sind eine sehr heterogene Gruppe.
Da wir nur Lebensversicherungen anbieten und das ausschließlich über den Vertriebsweg der unabhängigen Vermittler bedeutet das für uns: wir müssen in diesen beiden Feldern richtig gut sein. Das ist eine tägliche Herausforderung. Digitalisierung kann aus unserer Überzeugung immer nur gemeinsam mit dem Vermittler funktionieren. Unser Auftrag ist daher, dem Vermittler zu helfen, seine Kunden auch digital ansprechen zu können.

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