Digitaler Gesundheitsmarkt - Wie Krankenversicherer mitgestalten

Versicherungen von Michael Fiedler

Krankenversicherer wollen den wachsenden digitalen Gesundheitsmarkt mitgestalten und Datenschützer warnen vor einem sorglosen Umgang mit Gesundheitsdaten. Doch wie steht es um die Akzeptanz von Fitnesstrackern, Apps und Smartwatches, die solche Daten erheben? Eine Studie lässt Rückschlüsse darüber zu.

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„Alles wird Teil des Datenpools. Die Menschen lieben es, Daten ins Netz zu stellen, sie tun es wie bekloppt“, sagte Blogger Sascha Lobo auf dem Continentale PKV-Forum. Krankenversicherer wollen diesen Umgang mit Daten für sich nutzen. So will Generali Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil der Kunden sammeln und die gesunde Lebensführung mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten auf Versicherungsbeiträge belohnen.
Das Interesse an der Auswertung solcher Daten ist kein Alleinstellungsmerkmal privater Anbieter. So musste sich die AOK zu Beginn des Jahres mit Kritik an ihrem Gesundheitskonto auseinandersetzen.
Die Kasse gewährte Zuschüsse für die Anschaffung von Fitnessarmbändern und Smartwatches, die Herzfrequenz, Streckenlänge, Höhenmeter, Geschwindigkeit oder zum Beispiel Kalorienverbrauch dokumentieren. Auch andere Anbieter haben solche Modelle.

Prävention ist kein privates Risiko

Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands SoVD warnte vor einem „arglosen Umgang mit Gesundheitsdaten“ an dessen Ende höhere Versicherungsbeiträge für ökonomisch benachteiligte Menschen stehen könnten. Auch hätten chronisch Kranke kaum Chancen, sich an Fitness-Programmen zu beteiligen. Es sei zwar durchaus sinnvoll, verantwortlich auf die eigene Gesundheit zu achten. Vorbeugender Gesundheitsschutz dürfe aber kein privates Risiko werden. Bauer: „Im schlimmsten Fall entsteht ein Strafsystem für diejenigen, die nicht mithalten können.“

In den USA ist die Entwicklung bereits weiter: So entwickelte der Pharmazie-Hersteller Novartis gemeinsam mit Google Kontaktlinsen, die den Glucose-Wert aus Tränenflüssigkeit ablesen können. Google kann solche Neuentwicklung gleich selbst testen. Denn der Internet-Riese ist auch an einem Krankenversicherer beteiligt, über den solche Produkte in den Markt gebracht werden können.

Akzeptanz von Fitness-Trackern, Apps und Co

Aber wie stehen eigentlich die Versicherten solchen Entwicklungen gegenüber? Wer gesund lebt und das nachweisen kann, soll weniger Beiträge zahlen. Das fordern 66 Prozent der 14- bis 34-Jährigen, ermittelte die repräsentative Studie „Zukunft Gesundheit 2015“ der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“. Mehr als 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland zwischen 14 und 34 Jahren wurden dazu befragt. Jeder zweite junge Deutsche, der bereits seine Fitness- und Gesundheitsdaten digital erfasst, würde diese auch seiner Krankenkasse zur Verfügung stellen. „Das Gesundheits­bewusstsein vieler Menschen steigt mit der Nutzung von Gesundheits-Apps, Fitness-Trackern und anderen Gadgets. Die Bundesbürger fordern dafür von ihrer Kasse aber auch eine Anerkennung“, sagt Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes der Schwenninger. Doch die technische Entwicklung hat eine weitere Kehrseite: Sieben von zehn der 14- bis 34-jährigen Deutschen geben an, dass ihr Leben im vergangenen Jahr anstrengender geworden sei. Häufiger Stress wird von zwei Dritteln beklagt. Ein entscheidender Grund dafür: Die ständige Kommunikation über digitale Medien.