Canada Gold Trust: So ist die aktuelle Lage

Berater Recht & Haftung von Nikolaus Sochurek

Der Münchener Vermittleranwalt Nikolaus Sochurek über den möglichen Verkauf der Henning Gold Mines Inc., wie es um den Insolvenzantrag nach Kanadischem Recht bestellt ist und wie Vermittler sich gegen Anlegerklagen schützen können.

Foto: Nikolaus Sochurek, Kanzlei Peres & Partner

Ich kann mitteilen, dass ca. 50 Prozent der Anleger dem Rückforderungsverlangen der Xolaris Verwaltungs GmbH gefolgt sind. Es wurden bekanntlich 30 Prozent der Ausschüttungen zurück gefordert. Tatsächlich wurden bezogen auf die vier Fonds insgesamt insgesamt rd 50 Prozent zurückgezahlt, Naturgemäß entfiel dabei auf die ersten beiden Fonds der Großteil der Summe.

Des Weiteren brachte ich in Erfahrung, dass die Prüfung durch BDO momentan deshalb nicht vorankommt, weil Henning Gold Mines Inc. (HGM) sich weigert, mit BDO zusammenzuarbeiten. In concreto werden keine Unterlagen herausgegeben, was für die Prüfung jedoch unerlässlich wäre. Hier ist an der Stelle also momentan kein Weiterkommen, was nicht in der Hand der Geschäftsführung der Xolaris Verwaltungs GmbH liegt.

Das kurzfristige Hauptproblem der Fonds besteht darin, dass das Finanzamt Konstanz die Auffassung vertritt, dass die Fonds Gewerbesteuer in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro schulden. Dies sind angebliche Rückstände aus den Jahren 2013 und 2014. Die Rechtmäßigkeit dieser Forderungen kann ich mangels Kenntnis der genauen Hintergründe nicht beurteilen. Erfahrungsgemäß macht die öffentliche Hand keine völlig aus der Luft gegriffenen Forderungen geltend. Dies aber lediglich eine allgemeine Erfahrung. Sollte sich die Forderung als berechtigt erweisen und von der Finanzverwaltung voll durchgesetzt werden, so würde bei sämtlichen Beteiligungen die Insolvenzlage eintreten. Allerdings besteht erfahrungsgemäß die Möglichkeit, mit der Finanzverwaltung in Verhandlungen einzutreten, so dass auch eine berechtigte Forderung nicht unbedingt das Aus für die Fonds bedeuten muss.

Verhandlungen zum Verkauf der HGM-Assets

Herr Dr. Döring, Geschäftsführer der Xolaris Verwaltungs GmbH, befindet sich momentan in Verhandlungen mit einem ernsthaften Interessenten für den Verkauf der HGM–Assets,  die Interessentin hat bereits einen Letter of intent (LOI) abgegeben. Nach Einschätzung dieser wäre eine Anschubinvestition in Höhe von rund 10 Millionen CAD (kanadische Dollar) erforderlich, um die Claims wieder in Gang zu bringen. Ein generelles Problem bei den Verhandlungen über eine Veräußerung besteht darin, dass aufgrund der mangelnden Unterlagen keine ordnungsgemäße Due Diligence bezüglich HGM angefertigt werden kann, mit der Folge, dass für einen Erwerb der HGM aus Sicht der potentiellen Interessenten eine mangelnde Beurteilungsgrundlage für die mögliche Investition besteht. Dies erschwert die Verkaufsbemühungen erheblich. Zur Stunde sind die Verhandlungen mit der Interessentin etwas in Stocken geraten. Von einem Scheitern kann aber insbesondere angesichts des LOI noch keine Rede sein.

Ein Verkauf könnte dazu führen, dass die Fondsgesellschaften Einnahmen aus sog. Royaltiys erhalten würden. Diese würden dann fließen, wenn tatsächlich Gold aufgefunden werden würde. Die Fondsgesellschaften könnten diese Royaltys fordern, weil sie gegenwärtig Pfandrechte an den Claims unter HGM innehaben, weshalb ohne die Zustimmung nicht mit dem Goldabbau begonnen werden könnte. Im Rahmen des Verkaufs würden sich nach Einschätzung von Dr. Döring allenfalls 10-15 Prozent der Gewinne als Royaltys durchsetzen lassen, die dann den Fonds zufließen würden.

Insolvenzantrag für HGM vorbereitet

Gegenwärtig ist ein Insolvenzantrag für HGM nach Kanadischem Recht bereits in Kanada vorbereitet. Falls die gegenwärtigen Gesellschafter der HGM sich weiterhin wenig kooperativ zeigen, so könnte der dann einzusetzende Insolvenzverwalter das Ruder übernehmen. Er wäre dann mutmaßlich ebenfalls „Verhandler“ auf Seiten der HGM und hätte Zugang zu den notwenigen Informationen und Dokumenten.

Seite 1: Verkaufsverhandlungen und Insolvenzantrag
Seite 2: Mögliche Zukunftsszenarien

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare