Aussicht auf billiges Geld

Investmentfonds Top News von Stefan Terliesner

Am Donnerstag wird die EZB vermutlich erneut ein großangelegtes Kaufprogramm für Anleihen ankündigen. Das drückt das Zinsniveau weiter gegen Null und treibt die Aktienkurse in die Höhe.

Fotolia / Tiberius Gracchus

Übermorgen dreht sich alles um die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter der Führung ihres Präsidenten Mario Draghi wird er vermutlich das laufende Staatsanleihekaufprogramm zeitlich und volumenmäßig ausweiten. Zudem könnte der Einlagenzins, den Banken seit Juni 2014 an die Notenbank zahlen müssen, gesenkt werden. Derzeit liegt er bei minus 0,2 Prozent. Die Analysten der Commerzbank erwarten in ihrem Zinsausblick, dass die EZB den Satz um weitere 20 Basispunkte auf dann minus 0,4 Prozent senkt. Mit dem „Strafzins“ will die EZB die Banken dazu bewegen, das Geld untereinander oder an zum Beispiel Industrieunternehmen zu verleihen.

Kauft die EZB bald Städte-Anleihen?

Normalerweise bekommen Kreditinstitute von der Zentralbank Zinsen, wenn sie kurzfristig Einlagen bei ihr parken. Aber normal sind die Zeiten ja schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Sie werden immer absurder. Im Markt wird jetzt sogar erwarten, dass die EZB am Donnerstag dazu übergehen wird, in Zukunft nicht nur Anleihen von Zentralstaaten, in Deutschland also der Bund, sondern auch von unteren Ebenen, also zum Beispiel Bundesländern, zu kaufen. Auch Städte-Anleihen könnten zum Kaufobjekt der EZB werden. Dann wäre der Schritt zu Anleihen von staatsnahen Adressen auch nicht mehr weit – und die eigentlich verbotene Staatsfinanzierung endgültig etabliert.

Vor diesem Hintergrund erwartet die Commerzbank, dass die Rendite zweijähriger Bundesschätze auf minus 0,5 Prozent fällt. Auch zehnjährige Bundesanleihen, die derzeit mit 0,47 Prozent rentierten, haben ihre Meinung nach „noch Luft nach unten“. Damit dürften auch die Probleme der Altersversorgungseinrichtungen zunehmen, die stark in diese Papiere investieren müssen und daher kaum noch ausreichend Erträge erzielen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dies sind zum Beispiel Lebensversicherer, die Vorsorgeträger der betrieblichen Altersversorgung und Stiftungen.

Unbefristetes Kaufprogramm erwartet

Vermutlich wird Draghi aber nicht nur bisher verschonte Anleihearten ins Visier nehmen, sondern auch das seit März dieses Jahres laufende Staatsanleihekaufprogramm im Volumen von mehr als 1 Billion Euro zeitlich um ein oder zwei Jahre ausdehnen. Bislang sollten die Käufe bis September 2016 laufen. Die Analysten der Commerzbank sind sich sogar „ziemlich sicher“, dass die EZB die Käufe „solange wie nötig“ durchführen wird, also am Donnerstag keinen Schlusstermin mehr nennen wird.

Übermorgen wissen wir Genaues. Aber schon jetzt deutet Vieles darauf hin, dass die niedrigen und negativen Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt noch jahrelang die Anlagepläne zahlreicher Anleger durchkreuzen.

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