„Markteinbrüche werden die Regel“

Investment-Talk Top News von Julia Groth

procontra: Hat sich die US-Notenbank schon darauf eingestellt? Im September hat sie die Zinswende einmal mehr verschoben – mit Hinweis auf die schwache Wirtschaftsentwicklung in China.

Galler: Der Verweis auf China war der problematischste und kontroverseste Passus in der Erklärung der Fed. Zuletzt ist die Notenbank diesbezüglich zurückgerudert. Sie konzentriert sich jetzt stärker auf die US-Wirtschaft, also auf ihre Kernkompetenz. Die Zinswende wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, aber sie wird sehr langsam und moderat ablaufen. Am Ende könnte ein Leitzins von gerade einmal zwei Prozent stehen. Das wäre im historischen Vergleich und gegenüber den durchschnittlichen Erwartungen des Offenmarktausschusses der Fed sehr niedrig.

procontra: Was würde das für die Anleihemärkte bedeuten?

Galler: Zehnjährige US-Staatsanleihen, die eine Rendite 2,15 oder 2,2 Prozent bringen, wären dann gar kein so schlechtes Investment.

Anleger sollte sich auf die Chancen konzentrieren

procontra: Was sollen Makler ihren Kunden angesichts der vielen Marktrisiken raten?

Galler: Anleger sollten sich nicht auf die Risiken konzentrieren, sondern auf die Chancen. Die niedrigen Energiekosten bieten etwa eine enorme Unterstützung für die Realeinkommen. Der Konsum zeigt sich deswegen – und auch wegen der niedrigen Zinsen – robust. Wenn der Ölpreis einen Boden findet und der US-Dollar nicht deutlich steigt, dürften US-Unternehmen ihre Gewinne im kommenden Jahr um sieben bis zehn Prozent steigern.

procontra: Sie raten also zu Aktien?

Galler: Wir haben Aktien weiter moderat übergewichtet, weil wir unserer Ansicht nach noch nicht am Ende des Wachstumszyklus‘ angekommen sind. Anleger sollten aber auf eine breite Diversifizierung achten. Die Schwankungen an den Kapitalmärkten nehmen zu. Markteinbrüche wie in diesem Sommer werden in Zukunft nicht die Ausnahme sein, sondern die Regel.

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