„Markteinbrüche werden die Regel“

Investment-Talk Top News von Julia Groth

Tilmann Galler, Kapitalmarktanalyst bei J.P. Morgan Asset Management, erklärt, warum die weltweiten politischen Krisen die Aktienkurse nicht auf breiter Front fallen lassen und welche Risiken Makler besser im Blick behalten.

Tilmann Galler/J.P. Morgan AM

procontra: Nach den Anschlägen in Paris ist der französische Aktienindex CAC nicht gefallen, sondern sogar gestiegen. Auch die großen geopolitischen Krisen scheinen sich kaum auf die Finanzmärkte auszuwirken. Warum nicht?

Tilmann Galler: Bereits nach dem Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ Anfang diesen Jahres zeigten sich Anleger sehr besonnen. Die geopolitischen Krisen wiederum hatten durchaus Folgen an den Märkten, zum Beispiel in Osteuropa. Ihre Auswirkungen blieben aber regional begrenzt. Andere Risiken bereiteten der globalen Investorengemeinde größere Sorgen: Die Krise in Griechenland. Die Wachstumsschwäche in China und in anderen Emerging Markets. Die weitere Entwicklung der US-Geldpolitik.

procontra: Wie gefährlich ist Chinas Wachstumsschwäche für die Weltwirtschaft?

Galler: Der Welthandel stagniert, Exportunternehmen leiden. Das wird noch eine ganze Weile so bleiben. China wird seine hohen Wachstumsraten nicht halten können, die Dynamik des chinesischen Wirtschaftswachstums wird sich weiter abschwächen. Das liegt auch an demografischen Effekten: Die Ein-Kind-Politik, die erst im vergangenen Monat beendet wurde, dürfte sich in den kommenden Jahren auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Rohstoffmärkte im Blick

procontra: Steht Chinas Wirtschaft eine harte Landung bevor?

Galler: Nein. Es sind vor allem die alten Industrien, die Probleme haben, etwa die Bau- und die Stahlbranche. Konsumgüter- und IT-Unternehmen verzeichnen dagegen zweistellige Wachstumszahlen. Außerdem werden die monetären Stimuli der chinesischen Notenbank und die expansive Fiskalpolitik einen positiven Effekt haben. Auch ohne eine harte Landung wird das schwächere Wachstum in China allerdings Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, zum Beispiel auf die Rohstoffmärkte. Darauf muss sich die Welt einstellen.

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