„12.000 Punkte im DAX sind realistisch”

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Matthias Hundt

Tim Albrecht, Fondsmanager des DWS Deutschland, beobachtet einen „Schildkrötenzyklus in Deutschland, nennt Gefahren für den DAX und klebt nach Eigenaussage nicht am Index.

Tim Albrecht, Fondsmanager des DWS Deutschland und Head of DACH Equities, Deutsche AWM

procontra: In unserem Trendgespräch 2014 prognostizierten Sie 10.000 Punkte im DAX und sollten Recht behalten. Was erwarten Sie im kommenden Jahr?

Tim Albrecht: Die deutsche Wirtschaft erholt sich seit einigen Jahren langsam aber stetig, wir sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Schildkrötenzyklus“. Zudem sind deutsche Aktien mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von aktuell 13 und nach wie vor hohen Dividendenrenditen attraktiv bewertet. Ich halte daher eine Entwicklung des DAX auf 11.500-12.000 Punkte in den nächsten zwölf Monaten für realistisch.

procontra: Was sind die Hauptfaktoren dafür?

Albrecht: Wir sehen für 2016 mit 1,6 Prozent ein moderates Wirtschaftswachstum in Deutschland. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken wirkt jedoch unterstützend. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen bieten Aktien nach wie vor attraktive Renditen. Dies sollte in Kombination mit einer stabilen Binnenkonjunktur den Markt unterstützen und für eine positive Entwicklung am Aktienmarkt sorgen. Nach wie vor unerfreulich sind die schwächeren Exportdaten, vor allem in die sogenannten BRIC Staaten. Allerdings konnte das teilweise durch den schwachen Euro abgefedert werden, besonders die Exporte in die USA und nach Großbritannien haben sich gut entwickelt.

procontra: Was könnte dem DAX in 2016 gefährlich werden?

Albrecht: Die mangelnde Nachfrage aus den Schwellenländern wird vor allem Unternehmen mit starker Exportorientierung beeinträchtigen. Dies wird zum Teil durch andere Regionen ausgeglichen, etwa durch eine gute Entwicklung in den USA und eine beginnende Erholung in der Eurozone. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Geldpolitik der Notenbanken, wir erwarten noch für dieses Jahr eine Zinswende bei der amerikanischen Notenbank Fed. Wir glauben allerdings, dass diese Entwicklung vom Markt bereits eingepreist ist. Auch geopolitische Risiken, wie beispielsweise politische Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten sind ein Unsicherheitsfaktor.

procontra: Welche Strategie werden Sie verfolgen?

Albrecht: Auch im nächsten Jahr setzten wir auf einen ausgewogenen Mix. Bei Exporttiteln ist es sehr wichtig selektiv vorzugehen, aktuell haben wir unser Übergewicht etwas reduziert, und zwar zugunsten von Titeln, die von Sonderthemen bzw. der stabilen deutschen Binnenkonjunktur getrieben werden. Dazu mischen wir Wachstumstitel und attraktive Nebenwerte.

procontra: Die meisten Fondsmanager „kleben“ am Index, was ein kostengünstigeres Investment in ETFs nahelegt. Warum würden Sie einen aktiven Fonds immer der Passiv-Variante vorziehen?

Albrecht: Wir kleben nicht am Index. Über die vergangenen fünf Jahre haben wir mit dem DWS Deutschland den Index jedes Jahr zum Teil deutlich geschlagen. Ich glaube nach wie vor, dass sich aktives Management für ein Investment in eine bestimmte Region wie beispielsweise Deutschland sehr wohl bezahlt machen kann.

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