Handel mit großen Wohnungsportfolios brummt

Sachwerte von Carla Fritz

Der deutsche Immobilienmarkt bleibt attraktives Anlageziel für Investoren. Der Handel mit großen Wohnungsbeständen erreicht das Niveau vormaliger Boomjahre, so eine aktuelle Studie. Der Börsenhandel treibt dabei den Markt.

Viel Bewegung im Handel mit großen Mietwohnungsbeständen. Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden fast so viele Wohnungen verkauft wie im gesamten Jahr 2013. Bei den erfassten 22 Transaktionen im ersten Halbjahr 2014 wechselten insgesamt 236.000 Wohnungen den Eigentümer. Über 90 Prozent wurden von privaten Akteuren veräußert. Es handelt sich fast ausschließlich um Wiederverkäufe. Große Transaktionen mit jeweils mehr als 10 000 Wohneinheiten dominierten dabei das Geschehen. Hier wurden in acht Fällen insgesamt 193.000 Wohnungen gehandelt.

Während kontinentaleuropäische Investoren vermehrt Wohnungen in Deutschland erwerben, sinkt die Bedeutung angelsächsischer Investoren infolge des Ausstiegs aus ihren Wohnungsinvestments.
Die öffentliche Hand war im ersten Halbjahr 2014 am Handel mit Mietwohnungsbeständen so gut wie nicht beteiligt, nachdem Bund und Länder in den vergangenen zwei Jahren noch 87.000 Wohnungen in mehreren Transaktionen verkauft hatten.

Diese Zahlen und Fakten nennt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und schlussfolgert – nicht unerwartet: „Die hohe Marktdynamik verdeutlicht die Bedeutung des deutschen Immobilienmarktes als attraktives Anlageziel für Investoren.“

Umfängliche Aktienpakete im Verkauf
Seit dem Jahr 2011 ist der Handel mit großen Wohnungsbeständen von über 800 Wohneinheiten stark gewachsen und hat wieder das Niveau der Boomjahre 2006 und 2007 vor der Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht, stellt die Untersuchung fest.
 
 „Insbesondere der Verkauf von Anteilen an großen Wohnungsunternehmen über die Börse sorgt derzeit für den hohen Transaktionsumfang“, so BBSR-Direktor Harald Herrmann.

Der größte Teil der Verkäufe im ersten Halbjahr 2014 geht auf das Konto ausländischer Investoren. Vor allem Finanzinvestoren aus den angelsächsischen Staaten haben der Untersuchung zufolge ihre Wohninvestments in Deutschland weiterverkauft. Sie machen drei Viertel des gesamten Transaktionsvolumens aus.

Fünf Großtransaktionen waren Verkäufe von Aktienpaketen ausländischer Finanzinvestoren über die Börse. So verkaufte Goldman Sachs zu Beginn des Jahres seine verbliebenen 29 Prozent an der LEG Immobilien AG an institutionelle Investoren. Anteilig entspricht das rund 25.700 Wohnungen. Die Fortress Investment Group veräußerte in zwei Tranchen die verbliebenen Anteile an der GAGFAH Group – 41 Prozent bzw. anteilig rund 59.200 Wohnungen.
Darüber hinaus forcierte der Investor Terra Firma Capital Partners den Exit beim größten deutschen Wohnungsunternehmen, der Deutschen Annington SE, indem zwei weitere Aktienpakete verkauft wurden. Insgesamt wurden auf diese Weise in der ersten Jahreshälfte 2014 rund 23 Prozent an der Deutschen Annington SE an institutionelle Investoren verkauft.

Wiederverkäufe prägen den Markt
„Bereits seit 2010 ist das Transaktionsgeschehen durch Wiederverkäufe geprägt“, heißt es in der Studie. Sie erreichten im ersten Halbjahr 2014 mit einem Anteil von 99 Prozent ihren Höhepunkt.

Wie die Untersuchung außerdem feststellt, dehnen die börsengelisteten Wohnungsunternehmen ihren Bestand über Zukäufe aus. Fünf der zehn größten Wohnungsunternehmen in Deutschland sind inzwischen börsennotiert.

Die Kommunen agieren der Untersuchung zufolge „weiterhin zurückhaltend“. Auch Bund und Länder haben sich demnach im ersten Halbjahr 2014 von keinem ihrer großen Bestände getrennt. Von 1999 bis zum Ende des ersten Halbjahres 2014 hatte die öffentliche Hand mehr als eine Million Wohnungen veräußert. Das entspricht einem guten Drittel des Gesamtvolumens (36 Prozent). „Auf Grund der Zurückhaltung der öffentlichen Hand ist der Anteil in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken“, stellen die Studienautoren fest.

Seite 1: Umfängliche Aktienpakete im Verkauf
Seite 2: NRW und Berlin stark frequentiert


Foto: © spuno - Fotolia.com

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare