Tenhagen: Keine Alt-Verträge kündigen

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Die Gründe für die Stornierung einer Lebensversicherung haben sich geändert. War vor zehn Jahren noch der Wunsch, Schulden zu tilgen das Hauptmotiv, steigen Versicherte heute aus, weil sie Alt-Verträge für unrentabel halten. Das zeigt eine Allensbach-Studie.

Altverträge, die eine Garantieverzinsung von bspw. 3,25 Prozent aufweisen, sollten nicht gekündigt werden. Fotolia/Marco2811

Das Zinsniveau bleibt niedrig, die Situation der Lebensversicherer angespannt – dies ist auch bei den Verbrauchern angekommen. Eine vom Branchenverband des Lebensversicherungszweitmarktes in Auftrag gegebene Allensbachstudie kommt zu dem Ergebnis, dass fast jeder fünfte Lebensversicherte seine Police gekündigt hat oder darüber nachdenkt.

33 Prozent der Befragten geben als Grund für den Ausstieg aus der Lebensversicherung an, dass die Lebensversicherungen immer weniger rentabel seien. Noch vor zehn Jahren war Schuldenabbau das Hauptmotiv für den Abbruch.

 

 

Dass Makler ihre Mandanten auf Alternativen zur Stornierung hinweisen sollten, berichtete procontra im Juli 2015. Denn 37 Prozent der Gesamtbevölkerung und rund 40 Prozent der Lebensversicherten sind der Meinung, dass ein Verkauf aufwändiger sei, als die Kündigung beim Versicherer. Nur jeweils 14 Prozent glauben, dass die Kündigung beim Versicherer komplizierter ist.

Hermann-Josef Tenhagen rät von Kündigung ab

Der ehemalige Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen, rät in einem Beitrag auf Spiegel-Online davon ab, Alt-Verträge zu kündigen: „Eine Riester-geförderte Rentenversicherung des Jahres 2002 beispielsweise garantiert dem Kunden bei gleicher Einzahlung später rund doppelt so viel Rente wie eine des Jahres 2014.“

15 Jahre alte Verträge, die mit beispielsweise 3,25 Prozent Garantiezins ausgestattet sind, bieten aktuell einen „Spitzenzins“, schreibt Tenhagen. Grundsätzlich, so Tenhagen weiter, müsse für solche alten Lebens- und Rentenversicherungen die Devise gelten: Nicht kündigen.

Statt die Lebensversicherung zu kündigen, rät Hermann-Josef Tenhagen zum Vergleich möglicher Alternative

  • Direktverkauf der Police
  • Beleihung der Police
  • Verkauf der Police mit Rückkaufoption
  • Rückabwicklung der Police

Die komplette Rückabwicklung des Vertrags ist allerdings zeitaufwändig und erfordert die Bereitschaft, sich auf Auseinandersetzungen mit dem Versicherer einzulassen. Tenhagen weist darauf hin, dass Verträge, die nach 2004 abgeschlossen wurden, manchmal eine fehlerhafte Widerrufsklausel enthalten, die erklärt, wie lange man den Vertrag nach Unterzeichnung widerrufen kann. Bei solchen Verträgen sei eine Rückabwicklung anzuraten, so der Finanztip-Chefredakteur.

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