Schwachstellen im Gesundheitssystem aktiv ansprechen!

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

procontra sprach mit Hagen Engelhard über Kostensenkung im Gesundheitssystem, bessere Versorgung für Patienten, KV-Geschäft ohne Provisionsdeckel und darüber, wie das alles auf einmal geht.

Hagen Engelhard von MediKost/ Bild: FondsFinanz/Hauptstadtmesse

procontra: Herr Engelhard, Sie kennen das Gesundheitssystem aus Sicht eines Leistungserbringers, aus Sicht des Patienten und aus Vermittlersicht. Wie könnte man das Gesundheitssystem, das wir derzeit haben, mit gleichem Aufwand hochwertiger gestalten?

Hagen Engelhard: Wir sollten beginnen, offen über die Interessenlagen der Beteiligten zu sprechen. Was hat der Nutzer für ein Ziel? Klar: ohne Anstrengungen möglichst billig allumfassende Versorgung zu bekommen. Dieser Grundsatz gilt auch für Leistungserbringer und Kostenträger.
Die Leistungserbringer haben nicht vordergründig das Wohl des Patienten im Sinn. Sie wollen und müssen Geld verdienen. Die Kostenträger hingegen wollen die Versorgung kostengünstig ermöglichen. Und Verwaltungsstrukturen wollen täglich beweisen, dass man nie auf sie verzichten kann. Das Zauberwort hieße: Transparenz!

procontra: Apropos Transparenz: Das Ziel der Firma Medi-Kost, die Sie mitbegründet haben, ist die „Verbreitung und vermehrte Nutzung des gesetzlich festgelegten Rechtes auf Privatbehandlung für Kassenversicherte“. Was heißt das konkret? Sollten noch mehr Verbraucher Zahnzusatztarife abschließen und Komfortleistungen wie Ein- und Zweibettzimmer bei stationärem Krankenhausaufenthalt versichern? Welche Leistungen sind wirklich wichtig – und warum?

Hagen Engelhard: Ziel ist vor Allem die Verbreitung der „Privatbehandlung im ambulanten Bereich“ - diese Versorgungsform wird oft falsch betrachtet.
Mehr ambulant heißt oft: weniger stationär. Das ist kostensenkend. Besser ambulant senkt die Kosten noch weiter. Eine „vernünftige“ ambulante Versorgung spart oft - nicht immer – stationäre Versorgung. Deswegen sollte nicht ausreichende, sondern ambulante Versorgung, nach allen Regeln der ärztlichen Kunst, ermöglicht werden.
Im Krankenhaus gilt: entweder nach Leistungsfähigkeit des Krankenhauses ausreichende Versorgung oder nach den Regeln der ärztlichen Kunst.
In der Zahnmedizin bin ich etwas zurückhaltender. Ich vermute, dieser Bereich wird überbewertet. Dass Zahnbehandlungen teuer sein können, ist Verbrauchern stark bewusst; sie wurden schon immer mit Zusatzkosten konfrontiert. Deshalb handelt es sich um ein Produkt, das eher gern gekauft wird.

procontra: Die Stornohaftungszeit ist bei der Vermittlung von KV-Zusatzgeschäft auf zwölf Monate beschränkt; die Abschlussprovision ist nicht gedeckelt. Klingt nach einem guten Geschäft für Makler. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Wie können Makler in diesem Bereich erfolgreich arbeiten?

Hagen Engelhard: Die Bedingungen sind sogar sehr gut, da der Bevölkerung schon klar ist, dass etwas fehlt. Ich glaube allerdings, dass der Vermittler aus eigenem Antrieb aktiver werden muss. Oft wird gewartet, bis der Kunde etwas kaufen will. Das muss sich ändern! Der Vermittler muss aktiv auf den Kunden zugehen und auf Schwachstellen im Gesundheitswesen hinweisen. Das beginnt mit „Pflege“ und endet nach vielen Stationen meinetwegen auch mit „Zahn“.

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